Verständliche Fachartikel für Laien

Neben dem Angebot verständlicher, fachlich dennoch fundierter Artikel rund um das Thema Aviäre Influenza, versuchen wir uns an der Erklärung kursierender Begriffe und Zusammenhänge.

Begriffe und Erklärungen

Ausbrüche unter Wildvögeln und Hausgeflügel verursacht durch reassortete Influenza A(H5N8) Clade 2.3.4.4 Viren, Deutschland 2016

Übersetzung des Vorabartikels:

Outbreaks among Wild Birds and Domestic Poultry Caused by Reassorted Influenza A(H5N8) Clade 2.3.4.4 Viruses, Germany, 2016

EID Journal: Volume 23, Number 4, April 2017

Original unter : https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/23/4/16-1949_article

 

 

 Die Studie

Im Spätmai 2016 wurde am Uvs-Nuur See, an der russisch-mongolischen Grenze, ein Gruppe B clade 2.3.4.4 H5N8 Virus, in toten und erlegten Wildvögeln entdeckt. Am 7.November 2016, wurden viele Reiherenten (Aythya fuligula) in Norddeutschland am Plöner See in Schleswig-Holstein und in Süddeutschland am Bodensee in Baden-Württemberg gefunden (Bild 1). Viele waren H5N8 positiv. Die Wildvogelepidemie dauerte an und breitete sich auf das Zentrum des Landes aus (Bild 1). Mit Stand Dezember 2016 waren auch mehrere Hobbyhaltungen, 4 Zoos und einige große kommerzielle Anlagen betroffen. Direkter oder indirekter Kontakt mit Wildvögeln war der wahrscheinlichste Weg der Einschleppung des Virus in Hobbyhaltungen und die Zoos. Trotz der generell hohen Standards in den kommerziellen Anlagen, wurden mögliche Biosicherheitslücken festgestellt.

Die meisten betroffenen Vögel wurden tot gefunden oder zeigten starke klinische Symptome wie Apathie oder plötzlichen Tod (in einigen Teilen der betroffenen Hühnerzuchtfarmen, waren vor dem Beginn der Keulung bis zu 90% gestorben). Makroskopische Veränderungen welche gewöhnlich bei Reiherenten und Geflügel beobachtet wurden, waren unter anderem schwere diffuse Lebernekrosen, multifokale punktförmige Einblutungen in die Haut und variabel hyperämische oder ödematöse Lungen. Lichtmikroskopische Untersuchungen bestätigten Influenza A Virus Nucleoprotein (NP) Antigene und verschieden ausgeprägte nekrotische Läsionen in Leber, Herz, Lungen, Gehirn, Pankreas, Milz und Thymus. Einige Hühner zeigten ebenso schwere diffuse Schleimhautentzündungen des Darmes; Influenza A Virus NP Antigene waren im Darmepithel vorhanden.

 Die Skala der betroffenen Wildvogelarten ist breit und beinhaltet hauptsächlich Tauchenten, aber auch Schwäne, Taucher, Möwen, Bussarde, Krähen und einen Seeadler (Tabelle 1). Mit Stand vom 30. November 2016,  waren ca. 400 infizierte Wildvögel, in 13 Bundesländern Deutschlands, entdeckt wurden.

 

Bild 1. HPAI A(H5N8) Fälle bei Wildvögeln und Ausbrüche in Geflügelhaltungen (10 Hobbyhaltungen, 4 Zoos oder Haustierparks und einige kommerzielle Anlagen) in Deutschland, November 2016. Kreise zeigen die ursprüngliche Lage der Ausbrüche und der Isolate.

 

H5N8 Infektionen wurden ebenso aus Österreich, Kroatien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Ungarn, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz und den Niederlanden gemeldet, was darauf hindeutet der gleiche Subtyp die aktuellen Ausbrüche in Europa verursacht hat.     

Die hohe Pathogenität für hühnerartiges Geflügel wurde bestätigt. Der intravenöse Pathogenitätsindex für ein Isolat (A/tufted duck/Germany-SH/AR8444/2016) war 2.93, vergleichbar mit dem 2.81 Index für das 2014 verbreitete H5N8 2014 (A/turkey/Germany-MV/AR2472/2014). Aber der Tod von Wildvögeln aus einer Vielzahl von Arten, insbesondere Tauchenten und größere pathologische Veränderungen in toten Wildvögeln, legt eine markante Veränderung der Pathogenität, im Vergleich zu Viren in Deutschland aus dem Jahr 2014, nahe.  

Für die genetische Charakterisierung analysierten wir Virus Sequenzen mehrerer Abstrichproben und die ersten beiden Virus Isolate von toten Reiherenten aus dem Plöner See und dem Bodensee und verglichen diese mit Sequenzen von H5N8 positiven Putern und Hühnern. Wir fanden wenige genetische Unterschiede zwischen den analysierten Stämmen aus Nord- und Süddeutschland und nur leichte Unterschiede zwischen Sequenzen, welche aus Proben von Wildvögeln und Geflügel stammten. Dieses Ergebnis steht im Kontrast zu dem  der H5N1 clade 2.2 Ausbrüche 2006 in Deutschland, welche eine vergleichbare Verteilung, aber 2 abgrenzbare nördliche und südliche H5N1 Subcluster und einen Unterschied im zeitlichen Ablauf der ersten transkontinentalen Welle zeigten. Viren wurden im Oktober 2005 in Europa gefunden, aber in Deutschland nicht vor dem frühen Jahr 2006.      

Bild 2. Vorschlag zu den Reassortment Ereignissen, welche zu dem neuartigen zentraleuropäischen HPAIV A(H5N8) clade 2.3.4.4 Virus geführt haben. Der reassortete Russland-Mongolei clade 2.3.4.4 H5N8 Virus erwirbt zwei neue Segmente ( PA und NP) und führt damit im Jahr 2016 zum neuartigen zentraleuropäischen HPAIV A(H5N8) clade 2.3.4.4 Virus. Gleiche Segmente sind mit gleicher Farbe gekennzeichnet. Gestrichelte Linien weisen auf mögliche Vorläufer hin. HPAIV, hoch pathogener aviärer Influenza Virus; LPAI, niedrig pathogener aviärer Influenza Virus.

 

Alle Genomsegmente des neuartigen H5N8 clade 2.3.4.4 Gruppe B Stammes aus Deutschland 2016 unterscheiden sich signifikant von den H5N8 clade 2.3.4.4 Gruppe A Stämmen, welche  2014–2015 in Deutschland und anderen europäischen Ländern nachgewiesen wurden. Diese Erkenntnis ist in Einklang mit den Ergebnissen anderer Studien, welche darauf hindeuten, dass es in den Niederlanden keine  fortwährende Verbreitung von Gruppe A Viren unter Wildvögeln von Mitte November 2014 bis Januar 2016 gab. Datenbanksuchen identifizierten H5N8 clade 2.3.4.4 Viren ( welche zuerst in Wildvögeln an der russisch-mongolischen Grenze nachgewiesen wurden) als nächste Verwandte. Erweiterte Suchen bestätigten, dass die deutschen Isolate  aus dem Jahr 2016, welche in dieser Studie beschrieben werden, neuartige Reassortanten sind., welche von den russisch-mongolischen Isolaten (z.B.., A/great crested grebe/Uvs-Nuur Lake/341/2016) von 2016, bei 2 Segmente klar unterschieden werden können. Sechs Segmente [PB2, PB1, HA, NA, M, NS] waren denen der clade 2.3.4.4 Viren aus Russland 2016 sehr ähnlich (99% bei den Oberflächenproteinen; Tabelle 2). Das NS1 Protein des neuen deutschen 2016´er Isolates ist gekürzt (217aa) im Vergleich zu den russisch-mongolischen Viren (230aa), eine Verkürzung die sich auch in anderen Influenza Virenstämmen findet. Das Kernexportprotein ist hiervon aber nicht berührt. Zu beachten ist, der Russland-Mongolei Virus erwies sich als ein neuartiger Reassortant früherer H5N8 clade 2.3.4.4 Viren innerhalb der Gruppe B. Diese neuen H5N8 Viren sind zentralasiatische Reassortanten, welche von in Ostasien verbreiteten Stämmen stammen. Gene dreier Segmente ( Hämaglutinin, Neuramidase, NS Protein) bilden Cluster mit Segmenten von H5N8 clade 2.3.4.4 Gruppe B Viren, welche in Ost China festgestellt wurden, die anderen 5 Segmente (PB1, PB2, PA, NP und NS) bilden Cluster mit aviären Influenza Viren niedriger Pathogenität, welche in China, der Mongolei und Vietnam festgestellt wurden.   

Die Viren aus Deutschland (2016) haben sich aus Stämmen, aus Russland, weiter herausgebildet und enthalten 2 neue Segmente (PA, NP). Die Virus Sequenzen sind weitgehend identisch zu Sequenzen, welche im November 2016 in einer toten Wildente nahe der deutschen Grenze in Polen gefunden wurden, differieren aber signifikant von Sequenzen anderer aktuell verbreiteter Isolate. Die neue PA Sequenz bildet einen Cluster mit Viren, welche in Ost- und Zentralasien festgestellt wurden. Die Sequenzen des NP Segmentes entsprechen denen von Viren, welche häufig in Zentral- und Nordwesteuropa gefunden werden. Die fraglichen PA und NP Segmente kamen gleichzeitig in verschiedenen AI Viren vor. Namentlich in H6N8 Stämmen aus Island 2011 (z.B., A/greylag goose/Iceland/0921/2011) und in einem H6N2 Stamm aus Georgien 2011 (A/mallard/Republic of Georgia/13/2011).Es liegt nahe, dass der neuartige Reassortment Stamm aus Deutschland durch >1 Reassortmentereignis erzeugt wurde, welche zwischen Juni und November 2016 zwischen Zentralasien (Mongolei) und Zentraleuropa (Polen/Deutschland) stattgefunden haben.

 

Schlussfolgerung

Ein neuer reassorteter Influenza A (H5N8) Virus ist verantwortlich für den aktuellen HPAIV Ausbruch in Deutschland. Die beobachteten Differenzen in der Pathogenität bei einem breiten Spektrum von Wassergeflügel, verglichen mit der der H5N8 Viren 2014-15, entspricht der neuen Zusammensetzung des Genoms dieser Viren.   

Die neuartigen NP und PA Segmente in den 2016´er Viren aus Deutschland sind Kandidaten für zukünftige Studien der molekularen Basis der biologischen Unterschiede. Diese neuen Stämme können vielleicht besser durch und auf andere wilde und domestizierte Vögel übertragen werden. Eine These in Einklang mit der großen Anzahl von Fällen unter Wildvögeln im November 2016. Zur Zeit gibt es keine Hinweise darauf, das Säugetiere (einschließlich Menschen) von diesen neuartigen Stämmen infiziert wurden sind. Zukünftige Studien an Säugetiermodellen (z.B. Frettchen, Mäuse) werden experimentielle Daten für die Virulenz bei Säugetieren liefern.        

 

Abkürzungsverzeichniss:

 

HA                  Hämaglutinin

NA                  Neuramidase

NP                  Nukleoprotein

NS1                nicht strukturelles Protein 1

NS2                nicht strukturelles Protein 2

PA                  Polymeraseprotein A

PB1                 Polymeraseprotein B1

PB2                 Polymeraseprotein B2

M1                  Matrixprotein 1

M2                  Matrixprotein 2

Tabelle 1

Vogelarten, welche 2016 von HPAI (H5N8) in Deutschland betroffen waren

Gruppe

Name  (Taxonomischer Name)

Tauchenten

Reiherente (Aythya fuligula)

 

Tafelente (Aythya ferina)

 

Schellente(Bucephala clangula)

 

Kolbenente (Netta Rufina)

 

Bergente (Aythya marila)

 

Eiderente (Somateria mollissima)


 

Trauerente (Melanitta nigra)


 

Gründelenten

Stockente (Anas platyrhynchos)


 

Spießente (Anas acuta)


 

Taucher

Haubentaucher (Podiceps cristatus)


 

Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis)


 

Säger


 

Gänsesäger (Mergus merganserI)


 

Gänse

Graugans(Anser anser)

 

Saatgans (Anser fabalisI)

 

Kanada Gans (Branta Canadensis)

 

Bläßgans (Anser albifrons)


 

Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus)


 

Schwäne

Höckerschwan (Cygnus olorI)

 

Trauerschwan (Cygnus atratus)


 

Singschwan (Cygnus cygnus)


 

Möwen

Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus)

 

Silbermöwe (Larus argentatus)

 

Mantelmöwe (Larus marinus)


 

Sturmmöwe (Larus canus)


 

Rallen


 

Blässhuhn (Fulica atra)


 

Reiher


 

Graureiher (Ardea cinerea)


 

Greifvogel

Bussard (Buteo buteo)

 

Rauhfußbussard (Buteo lagopus)


 

Seeadler (Haliaeetus albicilla)


 

Kormorane


 

Kormoran (Phalacrocorax carbo)


 

Krähen


 

Aaskrähe (Corvus corone)


 

Geflügel

Hausente (Anas platyrhynchos domesticus)

 

Haushuhn (Gallus gallus domesticus)


 

Truthahn (Meleagris gallopavo)


 

Zoo Vögel

Emu (Dromaius novaehollandiae)

 

Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus)

 

 

hochpathogen (HPAI) - niedrigpathogen (LPAI) - hochkontagiös - niedrigkontagiös - virulent - letal

Was bedeutet das alles? Und warum ist es gefährlich, mit diesen Begriffen um sich zu werfen?

Dieser Versuch einer Darstellung ist stark vereinfacht! 

Von den Genen des Influenza-Virus kann man auf die Schnelle nur die Eigenschaften zweier Proteine auf der Hülle bestimmen. Das Hämagglutinin (H) und das Neuraminidase (N). Über diese beiden Schlüsselproteine lässt sich der Subtyp des AI-Virus erschließen. Viele Informationen, die das Genom, die eigentliche Erbinformation, betreffen, liegen noch im Dunkeln.

Das „H“ -Protein sagt aus, wie leicht das Virus Zutritt zur Zelle bekommt, das „N“-Protein, wie leicht es sich wieder löst.

Bei einer bestimmten Mutation geht man davon aus, dass es sich dann um HPAI handelt, wenn das Virus sehr leicht Zutritt zur Zelle bekommt und daher stark ansteckend und also auch stark krankmachend sein muss. 

Hinzu kommt, dass je nachdem, wo das Virus auftrifft, die entsprechenden Zelltypen mehr oder wenig schnell vom Virus befallen werden können. Ein Virus, das auf einer absterbenden Federkielzelle eines Tieres landet, kann noch so gefährlich sein - dort richtet es vermutlich keinen Schaden an. trifft es aber auf Zellen des Verdauungstraktes, weil sich das Tier just in jenem Moment putzt, hat es recht gute Bedingungen, sich dort zu vermehren und dann über die Ausscheidung auch weiter verbreitet zu werden.  

Dieser Link führt Interessierte zur Sendung: "Viren - besser als ihr Ruf" (Gert Scobel, 3Sat)

Warum ist die Annahme, ein Virus sei per se gefährlich, wenn es hochpathogen ist, ein Fehlschluss?

Man stelle sich zwei Einbrecher vor, einer ist HPAI (leichter Zutritt), einer LPAI (schwerer Zutritt).

Beide brechen in ein Haus (Zelle) ein.

Der erste, H, hat einen Dietrich, öffnet die Tür in Sekunden und ohne Schaden anzurichten, trinkt ein Glas Wasser, klaut ein bisschen Kleingeld und schleicht sich leise wieder raus.

Der zweite, L,  braucht sehr lange, um sich Zugang zu verschaffen. Aber als er es endlich geschafft hat, reicht ihm das Kleingeld nicht, er holt die Bewohner aus dem Bett, bedroht sie, lässt sich alle Wertgegenstände aushändigen, schlägt den Bewohner nieder und zertrümmert alles, was ihm in die Quere kommt.

Beurteilt wird die Gefährlichkeit der zwei Einbrecher rein anhand des Aufwands, den sie betreiben mussten, um in das Haus zu kommen - das ist die Pathogenität. Nicht beurteilt wird, wie schnell sie zum Haus kommen (Kontagiosität), was sie dort verursachen (Virulenz) und ob sie tödlich sind (Letalität) und letztlich eben auch nicht, auf welche Art sie dort hin gelangen.

Der Einbrecher also, der schnell ins Haus kam und schnell wieder weg war, der wird als hochgefährlich eingestuft, während der, der Schwierigkeiten hatte, rein zu kommen, dort aber alles kurz und klein schlug, als wenig gefährlich eingestuft wird. Die anderen Faktoren bleiben an dieser Stelle noch unberücksichtigt.

 

Wovor also hat man Angst?

Gefährlich werden Influenza Viren, wenn sie bestimmte Eigenschaften, die vor allem durch Punktmutationen entstehen, erwerben oder durch sogenannte Reassortments, Vermischungen der Erbinformationen mit anderen Influenza-Erregern.

Nicht jedes hochpathogene Virus ist in seiner Auswirkung gefährlich-krankmachen (virulent) tödlich (letal), nicht jedes tödliche Virus ist schnell verbreitend.

So gibt es zum Beispiel die stark krankmachenden Rabies-Viren, das zur Tollwut führt. Da sie aber nicht schnell übertragen werden (also nicht hochkontagiös sind), stellen sie eigentlich eine vergleichsweise geringe Gefahr für die Menschheit dar. 

Auch das Tollwutvirus ist im Grad seiner Letalität hochgradig gefährlich - es führt unbehandelt in 100% der Fälle zum Tod. Allerdings verbreitet es sich ebenfalls nur über bestimmte Kontaktmöglichkeiten, nämlich das Eindringen in Schleimhautzellen oder Blutbahn.

Andererseits sind Windpocken/Gürtelrose hoch-ansteckend, es kommt jedoch nur extrem selten zu Todesfällen durch die Erkrankung.

Ein Virus, das sich so leicht verbreitet wie Windpocken und so tödlich ist wie Tollwut - das wäre eine Katastrophe.

 

Um im Bild zu bleiben: Wenn der Einbrecher H seinen Dietrich an Einbrecher L weitergibt, wird die Sache brenzlig.- Wenn sie dann noch in ein vergleichsweise einfach zu knackendes Haus einbrechen wollen, in dem aber Wertgegenstände gelagert werden, kann das ganze zum Ruin der Hausbesitzer führen. Treffen sie auf einen wie Fort Knox verriegelten Schuppen, der ohnehin bald abgerissen wird, bringt auch der beste Dietrich nichts.

 

Was heißt das?

Letztlich bedeutet das, dass das Ziel einer Immunisierung , um wieder zurück zum eigentlichen Virusgeschehen zu kommen, sein muss, das Haus gegen Einbrüche zu schützen. 

Weder kann verhindert werden, dass die Einbrecher sich vorarbeiten, noch, dass sie bestimmte Werkzeuge verwenden und diese austauschen, wenn sie aufeinander treffen. Was man aber tun kann, ist, zu verhindern, dass sie sich begegnen. Diese Idee ist diejenige, die der Stallpflicht zugrunde liegt. Es geht zum einen darum, dem Einbrecher H nicht noch Transportwege zu bieten - zum anderen darum, zu vermeiden, dass eine Art Werkzeughandel betrieben wird. 

 

Das setzt aber voraus, dass sich die Einbrecher tatsächlich relativ einfach und auf vom Menschen losgelösten Wegen begegnen können. Das können Viren nicht, sie sind nicht autark bewegungsfähig. Sie brauchen als "Gefährte", sogenannte Vektoren. Auch hier scheint die Stallpflicht auf den ersten Blick zunächst logisch: wo kein Gefährt rein kommt, kann auch kein Einbrecher mitkommen.

 

Aber: bei dieser Methode leiden die Häuser, sprich die Zellen der Tiere, in ihrer Substanz - denn es wird auch keine bröckelnde Mauer repariert (weil beispielsweise Sonnenlicht fehlt und die weieteren Stoffwechselprozesse nicht optimal laufen), da durch das Aufstallen Stress entsteht, der wiederum das Immunsystem schädigt. Ganz abgesehen davon, dass sie in Massentierhaltungsställen ohnehin bereits sehr fragil sind, was man an der hohen Anzahl von Ausbrüchen in Massentierhaltungen sieht.

Die Idee, eine Begegnung der Einbrecher zu unterbinden und zu verhindern, dass Einbrecher H auch noch durch die Städte gefahren wird, ist also grundsätzlich nachvollziehbar, in unseren Augen aber der falsche Ansatz, denn: er kommt offensichtlich ja DENNOCH hinein!

 

Vielmehr muss es also darum gehen, die Tiere im Kontakt mit bestehenden Umweltbedingungen stärker zu machen, eine Immunabwehr bilden zu lassen, die möglichst das Eindringen von H und L verhindert. 

Auch kann es sein, dass durch die Entwicklung von Resistenzen sehr abwehrstarke "Schlösser" an den Türen entstehen - man lernt ja dazu, ebenso, wie eine bessere Isolation des Hauses denkbar wird. Falls all dies nicht funktioniert, ist ebenfalls denkbar, dass die körpereigene Immunabwehr schneller auf die H-Varianten reagiert, wenn sie bereits mit anderen H-Varianten Kontakt hatte - der Einbrecher wird vom körpereigenen Abwehrsystem schneller wahrgenommen und so schneller "ko" geschlagen, wenn er sich am Einbruch versucht. Allerdings liegt hier die Gefahr einer Veränderung des Virus (Mutation) - das bleibt und ist unbestritten und lässt sich nur verhindern, wenn die Bestände kleiner sind und innerhalb eine Population weniger Virenaustausch möglich ist. Und wenn klinisch kranke Tiere aufgrund der Übersichtlichkeit des Bestandes erkannt werden und die Möglichkeit haben, sich zu separieren. Ein aktuelles Beispiel, dass dieses natürliche verhalten funktioniert, ist der Opel Zoo, wo EIN Tier infiziert und dann schließlich auch erkrankt war, weitere 280 Tiere jedoch symptomlos blieben. Wer die Volieren im Zoo kennt, weiß, dass diese auf möglichst artgerechte Tierhaltung mit Rückzugsmöglichkeiten ausgelegt worden sind.

 

Dazu kommt hinzu, dass es angesichts der vermeintlichen Letalität des Virus die Frage zu klären gilt, WIE die Einbrecher von A nach B kommen - denn: wäre H wirklich so tödlich, wie allenthalben behauptet, würde es wohl sehr schwer, ihn als lebendes Tier zu transportieren...

... und da in funktionierenden Herden kranke Tiere, sofern sie den Platz dazu haben, abgesondert werden und sich absondern, bedeutet dies in logischer Folge: je mehr Platz die Tiere haben, sich aus dem Weg zu gehen und ihr natürliches Verhalten zu leben, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung. 

Es sei denn, das Virus wird bereits in Massen in Bestände und Populationen eingebracht, beispielsweise durch Oberflächenwasser, den Menschen als Vektor, der es verteilt (der Futtermeister in Niedersachsen), die Handels- und Verkehrswege (bzw. die dazu gehörenden Vehikel und Personen) oder das Futter selbst....

Dass die grundsätzliche MÖGLICHKEIT besteht, dass ein Wildvogel das Virus in sich trägt, mag sein. Dass Wasservögel als sogenanntes Reservoir dienen, ebenfalls.  Dass aber dies der Hauptverbreitungsweg ist, zweifeln wir aufgrund sämtlicher Umstände, die hier und andernorts geschildert werden, weiterhin an!

 

WIR FORDERN DESWEGEN AUF, DIE GENANNTEN  MÖGLICHEN VERBREITUNGSWEGE ZU KLÄREN, STATT BINÄREN MASSNAHMEN ZU FOLGEN UND ALLE BESTÄNDE AUF KOSTEN DER GESUNDHEIT EINZUSTALLEN UND ZU KEULEN!

 

Was kann man tun?

 

Deswegen ist unserer Ansicht nach das Verhindern einer solchen Entwicklung durch Wegsperren und Keulung der völlig falsche Weg. Es muss darum gehen, vorhersagbaren Seuchenzügen durch echte Prävention mittels Zucht und Selektion und einer Stärkung allgemeiner Herdengesundheit zu begegnen. 

Fachartikel

Wing-Vechta

Unter dem Stichwort "Vogelgrippe" findet man auf den Seiten des "Wissenschafts- und Informationszentruma Nachhaltige Geflügelwirtschaft" Vechta eine für Laien versändliche Darstellung des virologischen Hintergrunds.

WAI

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Aufsatz aus dem Wissenschaftsforum Aviäre Influenza
Steiofetal.2015-Vogelgrippe-Vogelwelt135
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Lorenzen, Sievert: The Ikarus Syndrome in poultry industry...

(In: Global View of Fight against InfLueNza, Nova Science, 2009, chapter 16)

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The Ikarus Syndrome - Prof. Lorenzen
English scientific text focusing on the hybris of poultry industry and the mismatched cause-and-result hypotheses on wildfowl as a reason for bird-flu
Lorenzen1 Ikarus Syndrome.pdf
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UN - STUDIE - SCIENTIFIC TASK FORCE ON AIVIAN INFLUENZA

STUDIE VOM 20.12.2016,

Die Bestätigung unserer Ansätze durch die Scíentific Task Force - Scientific Task Force on Avian Influenza and Wild Birds statement on: H5N8 Highly Pathogenic Avian Influenza (HPAI) in poultry and wild birds 20 December 2016

 

Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, Food and Agriculture Organization of the United Nations, Agreement on the Conservation of African-Eurasian Migratory Waterbirds, Ramsar (Avian) Scientific Working Group, International Council for Game and Wildlife Conservation, Wetlands International, http://www.wildlifedisease.org, WWT, Bird Life International, Eco Health Alliance, Royal Veterinary College - University of London

 

http://www.face.eu/sites/default/files/documents/english/scientific_task_force_on_avian_influenza_and_wild_birds_h5n8_hpai_december_2016_final.pdf

Dazu: http://www.lokalkompass.de/bedburg-hau/politik/un-task-force-globales-gefluegel-bringt-gefluegelpest-d724731.html

 

Übersetzung des o.g. Textes:

Stellungnahme der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für aviäre Influenza bei Wildvögeln

 

 

 Hochansteckende aviäre Influenza H5N8 (HPAI) in Geflügel und Wildvögeln

 

20 Dezember 2016

Diese Stellungnahme der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für aviäre Influenza bei Wildvögeln des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP), der Konvention zu wildlebenden wandernden Tierarten (CMS) und der Welt-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) wird veröffentlicht als Reaktion auf die aktuellen (November 2016) Entwicklungen beim hochansteckenden aviären Influenzavirus (HPAI) vom Subtyp H5N8, um den Endscheidungsträgern in Regierungen, dem Geflügelbereich, der Seuchenbekämpfung, dem Wildtiermanagement, dem Anlagenmanagement und dem Umweltschutzbereich, über die potentiellen Interaktionen zwischen Wildvögeln und dem H5N8 (HPAI) Virus sowie über geeignete Wege zum Umgang damit,  zu informieren.

Kernaussagen

 

1.   Typischerweise stehen hochansteckende aviäre Influenzaausbrüche (HPAI) im Zusammenhang mit intensiver Geflügelproduktion und den angeschlossenen Handels- und Vermarktungssystemen, mit einer Ausbreitung des HPAI Virus über kontaminiertes Geflügel, Geflügelprodukte oder leblose Objekte.

 

 2   Die Ausbreitung von HPAI Viren auf  Wildvögel hat zu Todesfällen und Arterhaltungsproblemen bei ihnen geführt. Die spezielle Rolle der Wildvögel besonders bei der Übertragung des Viruses über große Entfernungen, sofern sie stattfindet, bleibt unklar.

 

3.   Die genetische Abstammung deutet darauf hin, dass Wildvögel H5N8 HPAI aus einem gemeinsamen Fundus von HPAI H5 Viren bekamen, welche in Ostasien in domestizierten Gänseartigen (Enten und Gänse) zirkulieren(1).

 

4.   Im Jahre 2014 verursachte H5N8 HPAI Ausbrüche bei Geflügel in Asien, Europa und Nord Amerika. Die meisten Funde gab es in relativ biosicheren Produktionseinrichtungen, mit einigen Funden bei Wildarten -  hierbei waren die Wildvögel möglicherweise von Geflügel angesteckt wurden, möglicherweise gab es auch Ansteckungen andersherum.

 

5.   Im Jahr 2016 wurden zuerst in Süd Korea Infektionen mit H5N8 HPAI in Wildvögeln gemeldet, gefolgt von Funden im späten Frühjahr in der Republik Tuwa, in der Russischen Förderation und im Anschluß daran ab Oktober in Indien, zur Zeit in zwei Ländern des mittleren Ostens, zwei in Nord Afrika und 13 Ländern in Europa - hierbei kommt es zu Ausbrüchen bei Wildvögeln, Geflügel, Lockvögeln und einer kleinen Anzahl von zoologischen Anlagen.

 

6.   Basierend auf den existierenden widersprüchlichen Beweisen, bleibt die Quelle des aktuellen H5N8 HPAI bisher ungeklärt. Es kann nicht gefolgert) werden, dass die ausgedehnte Weitergabe und Erhaltung des Viruses von 2014 bis 2016 in Wildvogelpopulationen stattgefunden hat.

 

 

7.   Obwohl die Anzahl der infizierten toten Wildvögel in Europa im Jahr 2016 höher ist als 2014, gibt es - ohne systematische Bewertungen der Sterblichkeit -  keinen Beweis für eine Änderung der Sterblichkeitsrate bei Wildvögeln, welcher durch eine Änderung des Virus seit 2014 verursacht wird.  Bis heute gibt es keinen Nachweis einer bestimmten Art, die in der Lage wäre, das Virus asypmtomatisch über weite Strecken zu transportieren

 

8.   Auch wenn H5N1 HPAI Infektionen bei Menschen verursacht hat, bleibt H5N8 HPAI ein vogelspezifischer Virus.

 

9.   Die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für aviäre Influenza bei Wildvögeln, drängt Länder, Behörden und Organisationen dazu:   

a.)  die Überwachung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachgebieten und bei der epidemiologischen Auswertung auszuweiten, um die wahren Langstrecken, regionalen und lokalen Verbreitungsrouten des Viruses zu bestimmen, einschließlich möglicher Verbreitung durch nationalen und internationalen Handel von Geflügel und Nebenprodukten und den Verbreitungsmechanismen zwischen Haus- , in Gefangenschaft gehaltenen und wilden Vögeln;

 

b.) sich bei der Seuchenprävention auf Bio-Sicherheit in Geflügelhaltungen und Vermarktungssystemen zu konzentrieren und Seuchenbekämpfungsmaßnahmen in betroffenen Höfen und Zoos darauf zu konzentrieren, das Risiko der Verbreitung der Seuche zu anderen Geflügehöfe, Zoos und/oder Wildtieren durch Verhinderung des Kontaktes zwischen Geflügel bzw. in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln mit Wildtieren zu minimieren.

 

c.) sich ihrer internationalen Verpflichtungen zu erinnern und sicherzustellen, dass als Seuchenbekämpfungsmaßnahme nicht in Erwägung gezogen wird, Wildvögel zu töten, giftige Substanzen zu versprühen oder die Lebensräume im Feuchtland negativ zu beeinflußen. Eine reine Fokussierung auf  Wildvögel, bei Ausschluß anderer möglicher Verbreitungswege, kann kritische Ressourcen von einer effektiven Seuchenbekämpfung abziehen und zu einer fortgesetzten Verbreitung unter Geflügelpopulationen und ökonomischen Verlusten der Landwirte und des nationalen Einkommens  führen, ebenso wie zu negativen Auswirkungen beim Umweltschutz und Folgen bei der Gesundheit und einem Verlust an Biodiversität. 

 

Gegenwärtige Situation

Der H5N8 HPAI Virus wurde zuerst in Geflügelhaltungen in China im Jahr 2010 (2) festgestellt. Im Jahr 2014 gab es in Süd Korea eine Vielzahl von H5N8 HPAI Ausbrüchen bei Hausenten, -hühnern und -gänsen und bei Wildvögeln, mit nachfolgenden Ausbrüchen in Japan, China, Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und den USA (3,4,5). Während dieser Ausbrüche wurde ausschließlich Hausgeflügel positiv auf H5N8 HPAI im vereinigten Königreich, Italien und Ungarn getestet, keine Wildvögel(1) .

 

Im Jahr 2016 , wurden H5N8 HPAI Ausbrüche in Süd Korea bei Wildvögeln gemeldet (im März), und nachfolgend bei 5 Wildarten in der Republik Tuwa, Russische Förderation festgestellt (tote Vögel vom 25. Mai und erlegte Vögel im Juni) (6,7). In der Folge gab es Ausbrüche in Indien (Oktober) und ab dem 26. Oktober in 13 europäischen Ländern (in der Reihenfolge der Feststellung: Ungarn, Kroatien, Polen, Schweiz, Deutschland, Österreich, Dänemark, Niederlande, Schweden, Finnland, Rumänien, Ukraine und Serbien),in zwei Ländern des mittleren Ostens (Israel und Iran) und in zwei Ländern in Nordafrika (Ägypten und Tunesien). Mehr als 30 Wildvogelarten sind betroffen, üblicherweise Wasservögel und fisch- und aasfressende Arten, vor allem  Reiherenten (Aythya fuligula), eine geringere Anzahl an Tafelenten (Aythya ferina), Schwänen (Cygnus sp.), Möwen (Laridae), hierbei auch Lachmöwen (Chroicocephalus ridibundus), andere Entenarten  (Anatidae), Bläßhühner (Fulica atra), Störche (Ciconiidae), Graureiher (Ardea cinerea), Haubentaucher (Podiceps cristatus), Fluß-Seeschwalben (Sterna hirundo), Kormorane (Phalacrocorax carbo), Buntstörche (Mycteria leucocephala), Pelikane (Pelecanus sp.), Krähen (Corvus sp.), Prachtfinken (Lonchura sp.)(7), und seit kurzem auch Beutegreifer (Bussard Buteo buteo und Seeadler Haliaeetus albicilla).

 

Ausbrüche, bei Geflügel (Hühner, Enten, Puten) und in Gefangenschaft gehaltenen Vögel, wurden aus Indien und sieben europäischen Ländern (Ungarn, Deutschland, Österreich, Dänemark, Schweden, den Niederlanden und Frankreich) gemeldet sowie bei Lockenten in Frankreich. Alle Ausbrüche waren verbunden mit Todesfällen bzw. Sterben des gesamten Bestandes..

 

Welche Rolle spielen Wildvögel bei der H5N8 HPAI?

Ganz allgemein können aviäre Influenza Viren in Wildvögeln von und auf Geflügel, sowie möglicherweise von und auf andere Haustiere und Menschen übertragen werden. Es wurde bereits aufgezeigt, dass Wildvögel ein Reservoir für niedrig pathogene Virusstämme sein können, wenn auch mit geringer Verbreitung. Genetische Untersuchungen des aktuellen H5N8 AI Virusstammes (aus der Clade 2.3.4.4) und der Stämme welche in den Jahren 2014 - 2015 aufgetreten sind, weisen darauf hin, dass der Virus sich verändert hat und zurückgekehrt ist (1). Wie auch immer, virologische und serologische Beweise und Ergebnisse von Felduntersuchungen in Zentral-Eurasien zwischen 2014 und 2016, weisen daraufhin, dass eine fortwährende Verbreitung und unabhängige Erhaltung des Virus in den Wildvogel Populationen während dieses Zeitraumes unwahrscheinlich ist (8).

 

Es gibt keinen überzeugenden Beweis für irgendeinen Wirkmechanismus oder eine Wildvogelart, die fähig wäre H5N8 HPAI in sich zu tragen, ohne während eines Langstreckenfluges zu sterben.

 

Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat noch keine endgültigen Schlüsse gezogen, bezüglich der relativen Wahrscheinlichkeit einer signifikanten Rolle von Wildvögeln bei der Langstreckenverbreitung, im Vergleich zur Entstehung und  Verbreitung des aktuellen H5N8 HPAI Virusstammes durch Abläufe, die in der Geflügelproduktion und -vermarktung vorkommen. Unter Beachtung der umfangreichen Geflügelhandelsströme, einschließlich jener zwischen, von H5N8, betroffenen Regionen (siehe UN Comtrade Statisken), bleibt das Risiko eines Kreislaufes von HPAI Viren innerhalb der Geflügelproduktion und des Handels signifikant hoch. 

 

Das EU/OIE/FAO Referenzlabor für aviäre Influenza hat festgestellt, dass der Virus immer noch ein vorwiegender Vogelvirus ist, ohne gesteigerte Affinität zu Menschen (9).

Wie bei vorhergehenden Ausbrüchen, sollten trotzdem angemessene persönliche Hygienemaßnahmen ergriffen werden.

Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden?

 

Geflügelhöfe und -märkte

 

Nachweise in geschlossenen Geflügelanlagen, bei denen direkter oder indirekter Kontakt mit Wildvögeln als unwahrscheinlich angenommen wurde, deuten auf eine Eintrag des H5N8 Viruses in diese Produktionen von innerhalb der Geflügelindustrie oder andere Ansteckungsträger hin. In Übereinstimmung mit den FAO- und OIE-Leitlinien, sollten sich Seuchenbekämpfungsmaßnahmen auf Geflügelhaltungen, deren Nebenprodukten und Vogelmärkte konzentrieren. Zu den Maßnahmen zählen Quarantäne, Keulung, strenge Biosicherheit, Reinigung und Desinfektion sowie Einschränkungen von Handel und Transport. Die richtige Umsetzung dieser Schritte wird dabei helfen, Ausbrüche zu kontrollieren und die Ausbreitung des Virus verhindern. Guter Kontakt und Kommunikation mit den dem Geflügelsektor verbundenen Industrien, ist unabdingbar für das  Verständnis und die Vermeidung von finanziellen Verlusten.  

 

Zoos und andere in Gefangenschaft gehaltene Vögel

Biosicherheitsmaßnahmen, wie Reinigen und Desinfizieren, sollten ebenso bei Zoos und in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln angewendet werden. Im Falle eines Ausbruchs sollten Ausnahmen vom Keulen des gesamten Bestandes erwogen werden, wenn eine Risikoeinschätzung durchgeführt wird und/oder es um schützenswerte Vögel geht, eine tägliche klinische Überwachung aller Tiere gewährleistet ist, ein Überwachungsplan eingerichtet wird, ein angemessene Unterbringung den Kontakt mit möglichen Infektionsquellen minimiert und eine weitere Ausbreitung ordnungsgemäß eingedämmt wird. 

 

Wildvögel

Umfassende Untersuchungen müssen durchgeführt werden, bevor die Quelle der Infektion bei Geflügel anderen Quellen, einschließlich Wildvögeln, zugerechnet wird. AI Experten (FAO, OIE, Globales Konsortium für H5N8 und verwandte Influenzaviren) stimmen darin überein, dass das Keulen von Wildvögeln und das Trockenlegen oder Desinfizieren von Feuchtgebieten nicht durchgeführt werden sollten, da diese Maßnahmen kontraproduktiv bei der H5N8 Bekämpfung sind. Die Störung von Wasservögeln und die Zerstörung von Lebensräumen würde zu unvorhersehbaren Bewegungen der Vögel in andere Regionen führen, mit einer potentiellen Ausbreitung des Virus. Weiterhin würden solche Aktionen Verpflichtungen zuwiderlaufen, die die Unterzeichnerstaaten unter anderem bei dem Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (CMS),  das Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (AEWA), das Ramsar- Übereinkommen über Feuchtgebiete und das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) eingegangen sind.

 

Die Anweisungen zur Diagnostik für den Nachweis des Eurasian H5 Virus durch RT-PCR sind weiterhin passend für diesen Zweck. FAO und OIE empfehlen kontinuierliche und stärker zielorientierte Wildvogel- Überwachungsmaßnahmen in Regionen, in denen H5 Viren, der Clade 2.3.4.4 mit eurasischer Herkunft, festgestellt wurden und überall wo eine verstärkte Sterblichkeit bei Wildvögeln festgestellt wird. Infizierte Wildvögel können als Indikatoren angesehen werden, um intensivere Untersuchungen nach den Quellen der Infektion, einschließlich menschlicher Infrastruktur, auszulösen. 

 

Weitere Forschungen sind notwendig, um die wahren Verbreitungswege und Mechanismen der HPAI Viren innerhalb und zwischen einzelnen Regionen zu entflechten, einschließlich der Handelswege für Geflügel und deren Nebenprodukte und dem Freilassen von in Gefangenschaft aufgezogenen Vögeln. Gemeinsame Ermittlungen über Fachbereichsgrenzen (einschließlich ornithologischer Expertise) hinweg sind wichtig, um ein verbessertes Wissen über riskante Zugwege, Verbreitungsarten und mögliche Wirte von Influenzaviren zu erlangen. Um diese Ermittlungen zu unterstützen, sollten offizielle Regierungsreports soviel spezifische Informationen wie möglich beinhalten, einschließlich wissenschaftliche Arten-Bezeichnungen und Anzahl der betroffenen Individuen. Zusätzlich sind Untersuchungen zu den Wanderbewegungen der Wildvögel empfehlenswert. 

 

Die wissenschaftliche Arbeitsgruppe für aviäre Influenza bei Wildvögeln

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), die Konvention zu wildlebenden wandernden Tierarten (CMS) und die Welt-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) haben gemeinsam die wissenschaftliche Arbeitsgruppe für aviäre Influenza und Wildvögel im Jahr 2005 berufen. Sie arbeitet als Kommunikations- und Koordinierungsnetzwerk und setzt seine Arbeit fort, die Rolle von Wildvögeln in der Epidemiologie der aviären Influenza und den Einfluss dieser Seuche auf Wildvögel zu überprüfen, um eine ausgewogene Meinung, basierend auf den aktuell vorliegenden Beweisen, zu fördern. Beobachter bei der Arbeitsgruppe sind das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation und die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE). Mitglieder der Arbeitsgruppe sind die FAO, die CMS, das Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (AEWA),  BirdLife International, Ecohealth Alliance, der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC), das Ramsar- Übereinkommen über Feuchtgebiete, das Royal Veterinary College, Wetlands International, and Wildfowl & Wetlands Trust (WWT).

 

1 The Global Consortium for H5N8 and Related Influenza Viruses (2016). Science 354, 213 -216

2 Zhao et al. (2013). Veterinary Microbiology 163, 351-357

3 Y.-J. Lee et al. (2014). Emerging Infectious Diseases 20, 1087–1089

4 D.-H. Lee et al. (2015). Journal of Virology 89, 6521–6524

5 J. H. Verhagen, S. Herfst, R. A. M. Fouchier (2015). Science 347, 616–617

6 D.-H. Lee et al. (in press). Emerg Infect Dis. 2017 Feb.

7 OFFLU Situation Report and Guidance for H5N8 and other Eurasian H5 clade 2.3.4.4 Avian Influenza Viruses 29 November 2016

8 Poen et al. (2016). Euro Surveill. 21:pii30349

9 European Commission (2016). http://ec.europa.eu/food/animals/animal-diseases/control-measures/avian-influenza_en, accessed 19 December 2016

 

 

Weitere Informationen

EU

http://ecdc.europa.eu/en/publications/Publications/risk-assessment-avian-influenza-H5N8-europe.pdf

FAO: Dieses FAO Handbuch gibt praktische Anleitungen für die Wildvogelbeobachtung.This FAO Manual provides practical guidance for wild bird surveillance techniques:

http://www.fao.org/docrep/010/a0960e/a0960e00.htm

http://www.fao.org/AG/AGAINFO/PROGRAMMES/EN/empres/H5N8/situation_update.html

http://www.fao.org/3/a-i6113e.pdf

OFFLU:

http://www.offlu.net

Handbuch der guten Praxis :

http://www.offlu.net/fileadmin/home/en/publications/pdf/OFFLUsurveillance.pdf

OIE: H5N8 updates

http://www.oie.int/animal-health-in-the-world/update-on-avian-influenza/2016/

WHO: Die Weltgesundheitsorganisation bietet Richtlinien und aktualisiert Informationen betreffend genetischer Veränderungen bei Tierinfluenza-Viren, die mit einer gesteigerten Virulenz für Menschen zusammenhängen, zur Unterstützung der Abschätzung des Gesundheitsrisikos der Öffentlichkeit.

http://www.who.int/influenza/human_animal_interface/Influenza_Summary_IRA_HA_interface_10_03_2016.pdf?ua=1

http://www.who.int/influenza/human_animal_interface/avian_influenza/riskassessment_AH5N8_201611/en/

Ramsar Konvention:  Das Ramsar Feuchtgebietsseuchen-Handbuch liefert spezielle praktische Leitlinien zur Vermeidung und Bekämpfung der aviären Influenza und einer Anzahl weiterer Feuchtgebietsseuchen. 

http://www.wwt.org.uk/rwdm

http://strp.ramsar.org/strp-publications/ramsar-technical-reports/rtr-no.7-ramsar-wetland-disease-manual-guidelines-for-assessment-monitoring-and-management-of-animal-disease-in-wetlands-2012

Ramsar’s Handbuch für aviäre Influenza in Feuchtgebieten ist eine Hauptquelle für Informationen, einschließlich einer Risikobeurteilung für Verantwortlich von Feuchtgebieten  und für den Umgang mit den Medien : http://ramsar.rgis.ch/pdf/lib/hbk4-04.pdf

Multilaterale Umweltvereinbarungen in Bezug auf HPAI wie die Ramsar Konvention, die Konvention zu wildlebenden wandernden Tierarten und das  Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel. 

http://ramsar.rgis.ch/pdf/res/key_res_x_21_e.pdf

http://ramsar.rgis.ch/pdf/res/key_res_ix_23_e.pdf

http://www.cms.int/sites/default/files/document/Res_9_08_Wildlife_Disease_En.pdf

http://www.cms.int/sites/default/files/document/CP8Res_8_27_Avian_Influenza_eng_0.pdf

http://www.unep-aewa.org/sites/default/files/document/res4_15_responding_threat_ai_final_0.doc

Andere

Comtrade - weltweiter Geflügelhandel : https://comtrade.un.org

Gisaid - Gensequenzen von Viren: http://platform.gisaid.org/epi3/frontend#1cba54

 

Krauss et al. (2016). Proc. Nat. Acad. Sci. USA 113(32): 9033–9038