Fakten widerlegen Thesen


Da die Wildvögel europaweit ziehen, deutsche Graugänse zB bis nach Spanien, Kraniche sind wohl auch anfällig (warum da nicht EIN Todesfall? Weil sie nur im Wasser schlafen und nur Oberflächenwasser zu sich nehmen?), aber auch da nichts bis in deren Winterquartiere nach Spanien hinein. Wobei am Lac du Der Chantecoq in Nordostfrankreich Ende November an die 140.000 Kraniche standen... Aber- nichts!

Wie man es dreht und wendet, Deutschland und Ungarn sind in dieser Vogelgrippesaison der kontinentale HotSpot, alles geht von diesen zwei Zentren aus.

Ungarn kommt als Ursprung in Betracht, da dort die weitaus zahlreichsten Geflügelhaltungen betroffen sind (quasi alle in der Gegend um Szeged gelegen), und Reiherenten unter anderem auch aus Westsibirien (Umgebung des Urals) westwärts ziehen, wobei sie über Ungarn kommen und dort ausgiebig rasten.
Von einem Kälteeinbruch, der da dann eine Winterflucht verursacht hat, habe ich in den Wetterdaten für die fraglichen Zeiträume von September bis November '16 nichts gefunden, was auf diesen Beginn der Verschleppung hindeuten würde.


Der herkömmliche Zugweg führt aber durchaus über Ungarn, durch Österreich und entlang der Alpen zu den dort gelegenen großen Seen.
Auffallenderweise war der erste registrierte Fall ein Höckerschwan in Nordwestungarn, gefunden 19.10.16, in "einem großen Fischteichkomplex". Wie wir wissen, werden Fischteiche mit Mist aus Massentierhaltungen gedüngt, und Reiherenten bevorzugen solche flachgründigen, nährstoffreichen Gewässer, weil sie reiche Beute versprechen.

Bis zur ersten Meldung am Bodensee (4.11.) vergingen demzufolge 16 Tage.
Zwischen dem Fundort des ersten toten Schwans in Ungarn und dem Bodensee liegen rund 620 km. Dieser Weg wäre für Reiherenten bei einer Geschwindigkeit von ca. 65 km/h in knapp 10 Stunden zurücklegbar. Oder bei einer täglichen Flugzeit von etwa 3- 4 Stunden (der Rest Zeit für's Fressen und Gefiederpflege) in etwa drei Tagen, bei zwei- bis dreitägigen Rasten unterwegs etwa neun Tage.
Was im Rahmen einer Inkubationszeit von 4-12 Tagen liegt (ich finde immer nur vage Angaben wie "einige Tage" bei Vögeln) und zeitlich dann mit den massenhaften Toden vor allem am Bodensee überein passt.

Aufgrund der Quasi-Zeitgleichheit des ersten Auftretens sowohl am Bodensee (4.11.16) als auch am Plöner See (2.11.16), etwa 715 km auseinander, muss ebenfalls eine Grundinfektion am Plöner See stattgefunden haben.
Die Reiherenten würden die 715 km zwar in exakt 11 Stunden Nonstopflug schaffen, aber welche Intention sollten sie dazu haben? Auch hier müssten sie fressen und ihr Gefieder pflegen, zumal keinerlei Wetterumstände einen Nonstopflug vom Bodensee nach Schleswig- Holstein angeraten sein ließen.
Auch müssten die meisten Vögel unterwegs schon schwer angeschlagen gewesen sein, weswegen sie die Strecke ebenfalls nicht in einem Stück bewältigt hätten. Zumal am Plöner See zwei Tage zuvor die ersten Todesfälle registriert wurden.

Viel wahrscheinlicher ist also eine Ansteckung im/ am/ um den Plöner See bzw. Westpolen und dann Verzug noch vitaler Tiere in den Süden Deutschlands, zum Bodensee und den Schweizer Seen, wo Vögel via Deutschland und Vögel via Ungarn- Österreich zusammen kamen und diesen weitaus größten Fund toter Vögel verursachten, von allein 262 gefundenen Reiherenten.

Vor diesem Hintergrund erweist sich die Wildvogelthese des FLI als unhaltbar, nach der Zugvögel das Virus aus Mittelasien/ Nord- Sibirien mitgebracht hätten. Wohl mögen infizierte Wildvögel das Virus innerhalb Deutschlands weiter verbreitet haben, eine Infektion von industriellen oder privaten Haltungen durch diese ist hingegen nicht nachgewiesen, weder zu Anfang der diesjährigen Erkrankungswelle noch zu deren gegenwärtigem Stand.