Thesen ZUr Verbreitung der Vogelgrippe

Vielleicht eines vorweg: Viren umgeben uns tagtäglich an allen Ecken und Enden unseres Daseins. Es ist also naheliegend, dass sie sich unter günstigen Umständen verbreiten.

Das Gefährliche an Viren ist ihre Fähigkeit zur Mutation. Übrigens auch täglich, in jeder U-Bahn und in jeder Schule.

So weit, so gut - das trifft alles auch auf die Viren der Aviären Influenza mit unterschiedlichsten Subtypen (HxNy) zu.

Es stellen sich in diesem Zusammenhang zwei Fragen:  "Wozu gibt es Viren?" und "Wie verbreiten sich diese Viren?"

Wozu gibt es Viren?

Zu der ersten Frage: Viren haben etwas mit einer Art "natürlicher Auslese" zu tun. Die schwächsten Individuen einer Gruppe werden meistens dahingerafft, die stärkeren überleben und pflanzen sich fort.

Biologisch betrachtet ist es ziemlich sinnvoll, dass sich Viren, das bestätigt auch der Landwirtschaftsminister Habeck aus Schleswig-Holstein, in Dunkelheit und bei niedrigen Temperaturen gut halten, übertragen werden und vermehren. Temperaturen über 42 Grad Celsius hingegen schädigen die Proteine des Virus, weswegen Wärme und vor allem aber auch UV-Licht Viren zusetzt.

Herr Habeck hat also dahingehend recht: Kälte und Dunkelheit sind gut für Viren, weil - zurück zur Biologie - sie damit im Winter auch eine bestimmte Funktion erfüllen: in Zeiten, in denen in natürlichen Populationen nicht genug Futter vorhanden ist, dazu beizutragen, dass diejenigen, die die besten Überlebenschancen haben, diese auch noch ausbauen können. Im Grunde sorgen Viren also dafür, dass die Stärksten überleben. Das muss in der heutigen Zeit nicht mehr sein - zum Glück gibt es Impfstoffe (aber es ist verboten, diese in Bezug auf die Aviäre Influenza anzuwenden).

 

Es bleibt dann aber doch die weiterführende Frage, wieso das Virus vor allem Geflügelgroßbetriebe befällt, beziehungsweise, warum von den Kleinhaltern die Solidarität gefordert wird, auf dass das Geflügel der Großbetriebe sich nicht ansteckt. Nun, die Antwort liegt auf der Hand: dort gibt es kaum Tiere, die diese Grippe - und dann würde sie innerhalb eines Bestandes tatsächlich zur Seuche - überstehen würden.

Auch eine Immunisierung durch durchlaufene Erkrankungen ist für die Geflügelgroßindustrie nicht von Bedeutung, denn die Masthähnchen werden ohnehin nach etwa 28 bis 65 Tagen, je nachdem ob "Bio" oder nicht, geschlachtet; die Legehennen leben in der Regel etwa ein Jahr. An Selektion außerhalb der Zuchtbetriebe hat hier niemand Interesse.

 

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass die Geflügelpestverordnung kleine Halter nun dazu zwingen soll, ihre Tiere in den kalten Monaten in der Dunkelheit unterzubringen.

Wie verbreiten sich diese Viren?

Was Viren nicht können, ist, sich selbsttätig fortzubewegen. Sie brauchen also etwas oder jemanden, an den sie sich "anhängen" können (einen Vektor) und/oder ein Medium, innerhalb dessen sie von A nach B befördert werden.

Typische Medien sind beispielsweise die Ausscheidungen von infiziertem Geflügel, beim Menschen gibt es vergleichbar die sogenannte Tröpfcheninfektion, bei der die Viren im ausgehusteten Aerosol bewegt werden. Auch eine Schmierinfektion (Schleim) ist denkbar. Eine optimale Aufnahme der Viren in einen neuen Wirts-Organismus ist beispielsweise durch feuchtes Milieu (Wasser, Oberfläche von Obst, Gemüse) denkbar.

 

Ergo: Viren, die irgendwo auf der Welt existieren, können, sofern der Transport innerhalb eines bestimmten Zeitraums und bei bestimmten Umweltbedingungen stattfindet entweder direkt oder über eine Art Stafette von einem Ort zum anderen gelangen. Je häufiger sie dabei den Wirt wechseln, umso wahrscheinlicher ist die Möglichkeit einer Mutation. Da Viren aber ebenfalls über ein Genom verfügen, das heißt, Erbmaterial besitzen, das transportiert wird (nur deswegen können sie ja mutieren), liegt es nahe, dieses bei dem einen oder anderen Wirtswechsel anzupassen oder neu zu kombinieren, um sich möglichst rasch zu verbreiten.

 

Thesen zur Verbreitung

Die Wildvogelthe-se- FLI

Das Friedrich-Loeffler-Institut (und damit auch viele Personen der Öffentlichkeit) hält recht hartnäckig an der sogenannten "Wildvogelthese" fest. Laut dieser fungieren die Zugvögel auf ihren Routen als Wirte. Das H5N8-Virus soll so von Südkorea ausbis nach Europa gelangt sein. Ganz sicher wäre es absurd, zu leugnen, dass es eine Staffetten-Infektion gibt, ganz sicher wäre es absurd, abzustreiten, dass Wildvögel Überträger von Erkrankungen sein können. Das wäre, als schlösse man aus, dass sich in einer Großstadt Grippeviren in den U-Bahnen und Bahnhöfen besonders gut übertragen können. Denn auf den Flugrouten der Vögel gibt es sich überschneidende Zonen. ABER: das Ausmaß, das das FLI allein diesem Übertragungsweg zuschreibt, erscheint immens angesichts der Tatsache, dass es andere Hypothesen gibt, die deutlich plausibler scheinen.

Diese anderen Hypothesen beinhalten aber immer auch Kritik an der Geflügelgroßindustrie, an den Handelswegen, an den Märkten und am Umgang mit dem Lebewesen - deswegen sind sie weniger wohl gelitten.

In anderen Worten: der Zugvogel hat keine Lobby, fliegt weiter und irgendwann kehrt Ruhe ein. Bis zumnächsten Mal - und genau an dieser Stelle kommt die Zugvogelthese ins Wanken:

ZWeimal der gleiche Betrieb?

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Zugvogel (metaphorisch gesprochen) innerhalb von zwei Jahren zweimal den gleichen Betrieb (Putenmast Barßel) mit dem gleichen Virus aufsucht? Die Berichte der internationalen Tierseuchenüberwachung und diverse Zeitunsgartikel legen durchaus nahe, dass ein solcher Zufall recht schwer vorstelbar ist.

Zum Download der OIE-Berichte

Die Asienthese - NABU

Wir zitieren die Nabuseite: „Das FLI ignoriert bis heute sämtliche Indizien, die dafür sprechen, dass sich Geflügelbetriebe vor allem durch die Stoffströme der Geflügelwirtschaft selbst mit dem Vogelgrippe-Virus H5N8 infizieren. Die Ergebnisse legen nahe, dringend die Fahrtenbücher und GPS-Daten von Tiertransporten auszuwerten, um zu untersuchen, ob sich diese Routen mit Ausbruchsherden der Krankheit decken“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Stattdessen verweist das Institut ausschließlich auf Wildvögel als Überträger. „Diese Scheuklappen-Mentalität erklärt, warum auch zehn Jahre nach dem ersten großen Vogelgrippe-Ausbruch in Deutschland tatsächliche Eintragsquellen nie identifiziert wurden und zukünftige Ausbrüche nicht verhindert werden können.“ HIER MEHR DAZU

Verkehrswege-these - AVF in Ergänzung zum NABU und WAI

Die aktuelle Europa- Straßenkarte der H5- Ausbrüche ist der Hinweis, dass die vom FLI und anhängigen Politikern seit Jahren vehement vertretene These zur Verbreitung der Vogelgrippe alias "Geflügelpest" durch Wildvögel aus Fernost- und Nordasien in der Form nicht haltbar ist. Vielmehr zeigt die Karte den Verlauf einer viel wahrscheinlicheren Ausbreitung der Krankheit über Hauptverkehrswege wie Autobahnen, Bundes- oder Europastraßen durch Lebendtier- oder Misttransporte von und zu den Mast- und Großhaltungsanlagen, in denen das Virus mutmaßlich seinen Anfang nimmt.

Das Argument, Wildvögel flögen auch entlang der Verkehrswege, kann im Übrigen entkräftet werden: Wasservögel fliegen schon eher entlang von Zugstraßen, welche in Deutschland vorwiegend die großen Flusstäler, Seenketten oder Täler der Mittelgebirge wären.
Dennoch deckt sich auch dies kaum mit den Befallsdaten.

Trinkwasser als Überträger?

Während der aktuellen Seuchenverläufe haben sich Mitglieder des Aktionsbündnisses bei ihren örtlichen Wasserwerken und den Ministerien erkundigt, ob die Möglichkeit besteht,  dass die Viren per Trinkwasser übertragen würden. Insbesondere Kunden der Bodensee-Trinkwasserversorgung dürfte die Antwort missfallen, wenngleich es bisher in Baden-Württemberg noch zu keinem Ausbruch der Vogelgrippe in privaten Beständen oder Betrieben kam.
Teile der Korrespondenz und einen Beleg, dass die Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Viren - in diesem Falle des für Menschen relevanten H9N2 - durch Trinkwasser deutlich höher liegt als durch Kot. Näheres finden Sie auf der Seite, die Sie durch den Button erreichen. Sie sagen: "H9N2? Geht es hier nicht um H5N8?" - nun, in dem Fall argumentieren wir einmal wie die Politik und sagen: "Virus ist Virus!" - in diesem Falle allerdings stimmt die Aussage, da sich die Viren größenmäßig nicht unterscheiden und davon ausgegangen werden kann, dass sie auch in ihrer Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen ein ähnliches Spektrum aufweisen.