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Schwäbisches Tagblatt, 7.11.2016

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Kein Ende der Stallpflicht in SichtGeflügelhalter aus dem Landkreis Görlitz schlagen Alarm: Sie fürchten um ihre Bestände zugunsten großer Tierfabriken.

Von Anja Gail
Sie müssen seit November drin bleiben: Die Stallpflicht verursacht allerdings bei den Tieren, die bisher Freilandhaltung gewohnt waren, Stress.
© Klaus-Dieter Brühl
Sie sind nicht mehr da. Die Gänse unweit der Bundesstraße 115 bei Jämlitz. Auf dem Weg von Görlitz in Richtung Norden zur Autobahn auf der B 115 gehörten sie sonst zum vertrauten Bild. Aber der Zuchtbetrieb in Brandenburg ist seit mehreren Wochen genauso von der Stallpflicht betroffen wie die Anlagen und Höfe von Geflügelhaltern in Sachsen.
Nachdem das Friedrich-Loeffler-Institut bei einer toten Reiherente am Cospudener See bei Leipzig im November den Vogelgrippevirus H5N8 gefunden hatte, haben die Landesdirektion und das Ministerium für Verbraucherschutz in Sachsen umgehend eine landesweite Stallpflicht für Geflügel angeordnet. Der Erreger ist für den Menschen nicht gefährlich. Auch der Landkreis Görlitz hat am 14. November eine Mitteilung zur Geflügelpest herausgegeben. Die schätzungsweise 3 500 Geflügelhalter im Kreis wurden nicht direkt informiert oder angeschrieben. Der Aufwand dafür sei zu groß, sagt Dr. Ralph Schönfelder vom Veterinäramt. Er verweist auf den Internetauftritt des Landkreises. Dort sind die Daten allerdings schwer zu finden.
Seitdem die Vogelgrippe erneut um sich greift, warnen zuständige Institutionen wie das Friedrich-Loeffler-Institut vor der Gefährlichkeit des Erregers, dass er sich rasant ausbreitet und Nutzgeflügelbestände befällt. Davon ist der Landkreis Görlitz bislang verschont geblieben. In ganz Sachsen wurde der Virus seit November ausschließlich bei Wildenten und Schwänen festgestellt. Zuletzt gab es am Dienstag in dieser Woche einen Graureiherfall im Kreis Leipzig. Auf der Internetseite vom Friedrich-Loeffler-Institut kann man diese Daten im Tierseucheninformationssystem einsehen. Die Behörde mit Hauptsitz auf der Insel Riems bei Greifswald arbeitet für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und erforscht nach eigenen Angaben die Gesundheit lebensmittelliefernder Tiere. Die Gefahr, die von der Vogelgrippe ausgeht, wird von Geflügelhaltern und Züchtern ernst genommen. Im Moment bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich an die Vorschriften zu halten. Zuwiderhandlungen können geahndet werden. Die Behörden drohen je nach Schweregrad ein Bußgeld von bis zu 30 000 Euro an.

Tierhalter stoßen an Grenzen

Dietmar Schlenz aus Tetta gehört zu den Züchtern in Vierkirchen, Weißenberg und Hohendubrau, die ihre Tiere ausstellen. Infolge der angeordneten Schutzmaßnahmen musste der Verein seine Tierschau am ersten Advent im Weißenberger Schützenhaus absagen. So war es zum Jahresende mehreren Vereinen ergangen. Dass Hühner, Enten und Gänse seit Mitte November im Stall bleiben müssen, sorgt bei den Tieren allerdings für großen Stress.
Gewerbliche Tierhalter wie der Betrieb in Jämlitz kommen zusätzlich an ihre Grenzen. Ihnen fehlt auf Dauer der Platz in den Ställen, sagt Betriebsleiterin Heike Flieger. Im Normalfall werden die Gänse in den Gebäuden nur nachts untergebracht oder zum Schutz vor dem Wetter. Jetzt drängen sie sich auf engstem Raum und können sich nicht wie gewohnt draußen bewegen. Durch die Schlachtung der Weihnachtsgänse ist zwar Platz frei geworden. Doch ab Februar steht der Legebeginn für die nächste Gänsegeneration bevor. Ein Ende der Stallpflicht ist dabei nicht in Sicht. Im Gegenteil. In anderen Bundesländern, wie Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, wo auch riesige Anlagen mit Massentierhaltung konzentriert sind, ist der Vogelgrippevirus inzwischen in Hausgeflügelbeständen festgestellt worden. Dort werden ganze Bestände gekeult. So war das auch im Oktober 2008 in Markersdorf, als über Nacht mehr als 1 300 Gänse und Enten im Landwirtschaftsbetrieb Zachmann getötet wurden.
Gegen die Keulung gesunder Tiere und die flächendeckende Stallpflicht setzen sich Geflügelhalter und Züchter inzwischen zur Wehr. Es sind zu viele Fragen, auf die sie keine Antworten erhalten. Keine Behörde sagt ihnen, warum zum Beispiel das Federvieh auf der polnischen Seite der Neiße weiter draußen bleiben darf. Keiner erklärt ihnen, warum es trotz andauernder Stallpflicht zur Feststellung des Virus in Hausgeflügelbeständen kommt.
Für Dietmar Schlenz aus Tetta und viele andere kleine Tierhalter ist längst klar: Sie sollen verdrängt werden, um den großen Geflügelproduzenten weiter Vorschub zu leisten. Obwohl immer mehr Verbraucher Fragen zur Herkunft der Lebensmittel und zur Haltung der Tiere stellen, Eier und die Weihnachtsgans beim Bauern oder Kleintierhalter im Nachbardorf kaufen und nicht mehr im Supermarkt, geht die Tierhaltung in bäuerlichen Wirtschaften weiter zurück – zugunsten der Massentierhaltung. Nachlesen kann man das im Fleischatlas für 2016 vom Bund für Umwelt- und Naturschutz und der Heinrich-Böll-Stiftung. Kein Wunder, bestätigt Marko Donath vom Rassegeflügel- und Rassekaninchenzüchterverein Spitzkunnersdorf. Wenn jetzt im Zuge der Vogelgrippe ein ganzjähriges Aufstallgebot erreicht wird, dann spiele das der Massentierhaltung weiter in die Hände. Marko Donath engagiert sich für das Aktionsbündnis „Vogelfrei“, das sich Ende November gegründet hat. Für Sachsen ist er der Ansprechpartner.

Bündnis will Kahlschlag verhindern

So wie er sind Kleintierhalter und Hobbyzüchter, landwirtschaftlich interessierte und naturnah lebende Menschen dabei. Über die Internetseite des Bündnisses läuft eine Petition. Damit soll erreicht werden, dass die Geflügelschutzverordnung geändert wird. Eine generelle Stallpflicht und die Tötung ganzer Geflügelbestände darf es nach Auffassung des Bündnisses nicht länger geben. So wie der Naturschutzbund fordert es, dringend nach den Quellen der Viren in der Geflügelwirtschaft zu suchen und nicht bei den Wildvögeln.
Wenn das mit den Keulungen und der Stallpflicht so weitergehe, sagt Marko Donath, werden 2017 kaum noch gesunde Eier von freien Hühnern erhältlich sein. Der nächste Weihnachtsbraten aus guter Haltung vom Lande könnte unerschwinglich teuer werden, da es keine Gössel oder Küken mehr geben wird bei einer Stallhaltung, die bis Ende Mai andauern soll. Viele Vereine werden seiner Einschätzung nach handlungsunfähig sein, da etliche Mitglieder ihre Zuchten einstellen werden. Das Aktionsbündnis will das verhindern. (mit Steffen Bistrosch und Thomas Staudt)

Dieses Mal sind wir schneller - wir werden VOR dem Keulen gehört! Und wir hoffen, dass sie es aussetzen!

 Aktuelles 09.01.17

http://www.regio-news.de/ka/news-feed/89-regio-news-germersheim/353411-vogelgrippefall-in-woerth-tierschuetzer-kritisieren-toetungs-vorhaben.html

 

Erneut haben Behörden zugelassen, dass nur auf Verdacht- in diesem Fall je 20 Hühner von Privathaltern - "vorsorglich" getötet wurden.  (https://www.soester-anzeiger.de/nordrhein-westfalen/gefluegelpest-anroechter-putenmastbetrieb-kreis-soest-7130891.html) 

Es bestand dort Stallplicht!

 28.12.16   Widerstand regt sich - Telepolis/ Heise Verlag

 

Die BILD Zeitung berichtete am 24.12.2016

Bauer ist ruiniert 600 Vögel von Amtswegen abgeschlachtet

  

Vor der Keulung wurden die Tiere auf den Erreger getestet. Auch hierbei sollen mehrere verletzt worden sein

 Von: SANDRA BASAN - 24.12.2016 - 18:59 Uhr

 

Leere Ställe, verwaiste Teiche, Blutspritzer am Boden. Totenstille, wo noch vor ein paar Tagen Enten und Gänse schnatterten und Hühner gackerten: Geflügelbauer Karl-Heinz Müller (66) aus Schwante in Brandenburg blickt fassungslos auf das, was mal sein Leben war.

 

Die Vogelgrippe ist wieder da. Mehr als 170 000 Tiere wurden in den vergangenen vier Wochen getötet, Sperrgebiete eingerichtet, Zoos geschlossen. Für die meisten Deutschen ist das Virus nur eine abstrakte Gefahr.

[Bild hierzu: siehe oben]

Will Aufklärung: Landwirtssohn Ronny Müller (l.) mit Unterstützer Mathias Güthe vom Aktionsbündnis Vogelfrei im Gespräch mit BamS-Redakteurin Sandra Basan

 

 Doch Müller hat erlebt, was passiert, wenn der Erreger festgestellt wird. Das war Anfang Dezember. Bei einer seiner Zierenten wurde eine milde Form des Vogelgrippevirus entdeckt. H5 N1. Keine 48 Stunden später stand plötzlich die Kreisveterinärin mit Tötungsbeschluss für knapp 600 Tiere auf dem Hof.

 

Polizei und Feuerwehr riegelten um 15 Uhr das Grundstück ab, 60 Mitarbeiter des Veterinäramtes zogen Schutzanzüge an und keulten bis 21 Uhr seinen gesamten Gefügelbestand. Vorsorglich, wohlbemerkt.

Neben 170 Enten und 70 Gänsen, die bereits als Weihnachtsbraten vorbestellt waren, wurden auch 220 Ziervögel abgeschlachtet. Darunter seltene Rothalsgänse, die unter Artenschutz stehen. „40 Jahre Zucht auf einen Schlag weg“, sagt Müller.

  

Vogelgrippe - andere artikel der BILD hierzu waren

 Der wegen Vogelgrippe-Verdachts erschossene Schwan war nicht mit dem H5N8-Virus infiziert. Auch nicht seine Frau, um die er trauerte.

Die Vogelgrippe breitet sich in Baden-Württemberg aus. Zum ersten Mal wurden infizierte Tiere fernab vom Bodensee gefunden.

 

Vor allem die Art der Tötung hat er bis heute nicht verkraftet: „Es war ein Massaker. Die Feuerwehrleute hatten Tränen in den Augen.“ Die Tiere seien brutal mit Knüppeln betäubt und mit teilweise zu kleinen Genickbruchzangen getötet worden. Er wirft dem Amt einen Verstoß gegen das Tierschutz- und Seuchenschutzgesetz vor: „Das Töten erfolgte stümperhaft, nicht von einer professionellen Firma. Die Tiere wurden gequält, unser Gartenesstisch als Schlachtbank missbraucht.“ Auf dem Plastiktisch kleben noch immer Blut und Federn.

  

Das Amt rechtfertigt sich: „Die Tötung erfolgte auf Grundlage der Tierseuchenschutzverordnung und im Sinne des Tierschutzes. Mehrere Tiere des Bestands trugen den Erreger“, so der Pressesprecher des Landkreises Oberhavel zu BamS. „Professionelle Firmen kommen erst ab 50 000 Tieren zum Einsatz.“

 „Vorbeugende Tötungen sind unnötig, skandalös und unethisch“, sagt der Mikrobiologe Prof. Dr. Sucharit Bhakdi (70). Der ehemalige Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Mainz: „Es muss ein Umdenken stattfinden. Das Virus ist für Menschen nicht ansteckend. 50 Prozent des Geflügelbestandes trägt diesen Erreger in sich und bildet Antikörper.“ Zudem würde der Erreger nur durch Zufallsproben gefunden.

 Wie bei Gefügelbauer Müller. Der hatte seine Zierenten nur testen lassen, weil er sie von der seit Mitte November bestehenden Stallpflicht befreien lassen wollte. Nun ist er am Ende. Psychisch und finanziell.

 

 

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 Quelle, 24.12.16,

http://m.bild.de/news/inland/vogelgrippe/600-voegel-von-amtswegen-abgeschlachtet-49355066.bildMobile.html, Bilder:

 

Kaum gegründet...

halten wir die Schnäbel nicht zu..

sondern machen den Mund auf.

 

 


  • MAZ- Online 15.12.2016 Bei der Keulung Verstoß gegen Tierschutz

http://www.maz-online.de/Lokales/Oberhavel/Bei-der-Keulung-Verstoss-gegen-Tierschutz

Pinneberger Tagblatt, 8.12.2016: Unser Bündnis gegen die Stallpflicht