Timm Spretke - Held oder Sünder?

Es ist schon absurd in diesem Lande - und wir betonen an dieser Stelle, dass wir die Demokratie schätzen! -, dass ein Ungehorsamer, der im Sinne der von ihm zu betreuenden Tiere handelt, aus tierschutzrechtlichen Gründen verklagt werden soll. Die Rede ist von dem mutigen - vielleicht zu wagemutigen, und ja, vielleicht auch in seiner Entscheidung übermütigen - Timm Spretke (63), Ornithologe, stellvertretender Direktor des halleschen Bergzoos, der nun nicht nur des Amtes enthoben, sondern auch noch zum Buhmann gemacht wird, weil er Kadaver "verschwinden" ließ, um zu verhindern, dass alle anderen seiner zu betreuenden Vögel getötet werden.

Warum sich das Aktionsbündnis VogelFrei hier positioniert - obwohl wir betonen, dass uns die Wahrung geltenden Rechts wichtig ist?

Die Antwort liegt auf der Hand: weil es hier eben nie um moralisches Recht ging - und möglicherweise auch nie um geltendes Recht!

Spretke: Einer der rechtschaffensten Bürger seiner Zeit!

Wenn alles so ist, wie dargestellt, dann müsste Herr Spretke eine Auszeichnung bekommen - denn er hat gezeigt, wie willkürlich und vor allem wie unreflektiert Behörden handeln, wenn sie es dürfen. Da erinnert er doch an Michael Kohlhaas, den "rechtschaffensten und zugleich schrecklichsten Bürger seiner Zeit", der durch absurde Gesetze genötigt wird, sich zu wehren - vogelfrei....

 

Ja, es war entgegen der Geflügelpestverordnung, verendete Tiere nicht zu melden, die in Augen von Laien unerklärbar verstarben - aber: es war nachvollziehbar, weil offenbar außer den besagten Tieren keine weiteren Vögel starben.

Nun mag man sich fragen, wieso Herr Spretke nicht - wie es ihm von Frau Claudia Dalbert (GRÜNE) vorgeworfen wird - tatsächlich seine anderen Tiere gefährdet hat, als er sich entschied, das Gesetz zu negieren und die verstorbenen Vögel anderweitig einzulagern.

  1. Es ist davon auszugehen, dass Herr Spretke als versierter Ornithologe (Film) durchaus wusste, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit geschehen würde, dass bei den anderen Vögeln des Zoos - so wie in vielen, vielen anderen Fällen, unter anderem Schwante und Wörth - LPAI, also eine niedrigpathigene Variante der H5-Viren bei einer Beprobung würde gefunden werden können. Das hätte - je nach Willkür des Veterinäramtes - den Tod aller Tiere bedeuten können.
  2. Wissend, dass dem so ist - wurde es doch mehrfach auf seitens des FLI bestätigt, dass in Deutschland diverse LPAI-Viren kursieren - mag er sich dazu entschieden haben, gegen das Gesetz (welches ja eben in diesem Falle derart blind und unsinnig ist) zu verstoßen.
  3. Nachdem offenbar zwar acht Tiere - vermutlich an der Co-Morbidität einer Pilzerkrankung in Folge der Aufstallung (Pilze gedeihen in feuchten, schlecht durchlüfteten Habitaten nahezu genau so gut wie Viren) verendet waren, entschied sich Herr Spretke mutigerweise, die Verantwortung für seine Tiere auf sich zu nehmen - und wider das Gesetz zu handeln.  Es bleibt nun die Frage, ob er damit jemandem geschadet hat - und
  4. .... eben diese Frage ist mit NEIN zu beantworten, auch wenn die Behörden und sein Chef nun nachträglich nach einer Legitimation suchen. NEIN - denn als Ornithologe wird Herr Spretke durchaus gewusst haben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Vögel an HPAI verendet sind, verschwindend gering war.
  5. Sofern alle Biosicherheitsmaßnahmen eingehalten wurden, gleicht die Aufstallung innerhalb eines Zoos einer geschlossenen Quarantäne - auch dies wird Herr Spretke gewusst haben, immerhin bringt er dezidiert Lebenserfahrung, berufliche Expertise und nicht zuletzt veterinärmedizinisches Teilwissen als Vizedirektor mit Insofern hat er tatsächlich bewusst weder Anrainer noch Wildvögel gefährdet, sondern sehr bewusst das sinnlose Töten der Tiere in seiner Obhut verhindert.
  6. Aber: er hat den jungen Herrn Direktor hintergangen! Er hat die Ämter hintergangen und gezeigt, dass es problemlos möglich ist, die Geflügelpestverordnung in ihrer Absurdität zu demaskieren, weil sein Verhalten zeigt, dass sie die Ursache ist, dass ein mit dem Tierwohl ernsthaft Beauftragter bereit ist, eine Gesetzeswidrigkeit zu begehen, um die Tiere zu schützen, die durch eben dieses Gesetz, das "Tiergesundheitsgesetz", welches behördenabhängig in der Auslegung ist, geschützt werden sollten. Stattdessen wird bei ungesicherten Befunden ohne klinische Auffälligkeit "kraft Amtes" gekeult. Stattdessen werden Tiere in die Aufstallung genötigt, wo sie - wie der Rosenpelikan im Opelzoo - an deren Folgen überhaupt erst verenden.
  7. Im Grunde sollte man den Staat verklagen, dass er einen rechtschaffenen Bürger genötigt hat, rechtswidrig zu handeln.

ES BLEIBT NUR EIN SCHLUSS

Die Geflügelpestverordnung, die rechtschaffene Bürger zum Begehen von Straftaten nötigt, muss, weil sie IRRSINNIG und UNSINNIG ist, geändert werden - wir brauchen JEDE/N, uns dabei zu unterstützen!

Papa, Papa, CHarly hat gesagt...*

"Stellen Sie sich vor, die Vögel, die tot im Zoo Halle aufgefunden worden sind, hätten die Geflügelgrippe gehabt und keiner hätte es erfahren. Dann wäre der Virus von den nichtsahnenden Tierpflegern von einem Vogelgehege ins andere getragen worden und alle Vögel hätten sich wömöglich angesteckt und hätten getötet werden müssen. Das halte ich für dramatisch."

Claudia Dalbert, Umweltministerin von Sachsen-Anhalt (Quelle: http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle/bergzoo-halle-vize-direktor-tote-tiere-vogelgrippe-100.html, 14.4.17, 18:14 MEZ)

Sehr geehrte Frau Dalbert...

Stellen Sie sich bitte vor, es gäbe Menschen, die tatsächlich über die Symptomatik hochpathogener Viren und ihre mögliche Verbreitung informiert werden. Stellen Sie sich bitte zudem vor, besagte Personen wüssten alles, was oben auf dieser Seite steht. UNd stellen Sie sich dann bitte vor, diese Personen wüssten, dass ihre Tiere definitiv NICHT an HPAI H5N8 verendet sind, weil sie gänzlich andere Symptome zeigten. Stellen Sie sich ferner vor, diese Personen wüssten, dass mit ziemlicher Sicherheit bei einem angeschlagenen Immunsystem dennoch eine Form H5/H7 gefunden werden könnte, die dann - bei aller Unberechenbarkeit der Ämter - zum Tode ALLER Tiere hätte führen können. Bitte stellen Sie sich weiter vor, diese Personen wüssten zudem, dass sich Viren gerade in eiskühler Umgebung hielten. Hielten Sie diese Personen denn für so dumm, dass sie ernstahft einen ECHTEN Vedracht verleugnen würden?

Wir nicht. Denn wir haben in der letzten Seuchenepisode einiges mitbekommen.

Afra Korfmann - auch für das AVF

* http://www.rias1.de/sound4/rias_/hoerspiel/papa_c_h_g/papa_c_h_g_16.mp3 - Gesellschaftskritik vom Feinsten

"Menschliches Versagen gibt es in jedem Beruf!" - SIC!