behördenbriefe - und Argumente!

Hier sammeln wir gelungene Antwortschreiben, die ausdrücklich nicht als "Offener Brief" versandt worden sind und die einen echten Mehrwert für all jene darstellen sollen, die selber schreiben möchten, vielleicht aber nicht wissen, was und wie.

Sender und Empfänger sind hier anonymisiert, uns aber bekannt.

am 25.1.2017 eine Aktive des AVF an Bundesminister Schmidt


Sehr geehrter Herr Bundesminister Schmidt
Da ich meine Tiere in Baden-Württemberg aufstallen muß, obwohl schon ewig nicht mal ein infizierter Spatz gefunden wurde, habe ich mal meinen Computer beschäftigt um rauszubekommen was da so läuft.
Es sind ja hauptsächlich Puten betroffen und da bin ich darauf gestossen, dass es hier ein „Testprodukt“ in den Ställen ist.
Frage an Sie: Sind es diese Neuzüchtungen denen wir das Vogelgrippetheater zu „verdanken“ haben?
Hier meine Fundstellen im Internet:
Zu den Puten:

http://www.duesse.de/tierhaltung/gefluegel/versuche/puten/2014_neue_putenlinien.pdf
Im Vergleich zu der in Deutschland am häufigsten vorkommenden Putenlinie BUT6 wurden zwei neue Hybridlinien TP7 und Prestige getestet. Dabei sollte überprüft werden, ob die neuen Putenlinien eine Verbesserung der Gesundheit, insbesondere der Darmstabilität und damit der Fußballengesundheit aufweisen. Die Untersuchung erfolgte zu gleichen Umweltbedingungen im Versuchsstall von Haus Düsse, wobei jede Putenlinie mit sieben Wiederholungen á 44 Hähne (308 Tiere je Herkunft) getestet wurde. Bei der neuen Linie TP7 wurde auch gleichzeitig ein neues Futterkonzept überprüft, wonach diese Rasse mit etwas geringeren Eiweißgehalten in den einzelnen Phasen bei gleich guten Leistungen wie die BUT6 zu Recht kommen soll.

http://www.aviagenturkeys.com/de-de/products
Pute:  B.U.T. 6

Der europäische Maßstab für ertragreiche Fleischproduktion. Überdurchschnittliches Lebendgewicht und ausgezeichnete Vitalität sowie Robustheit machen diese Zuchtlinie zur optimalen Basis für die Weiterarbeitung und Produkte mit höherer Wertschöpfung. Über Generationen weiterentwickelt hat sich B.U.T. 6 mittlerweile als europäischer Standard für effizienten Fleischertrag und beachtliche Elterntierleistung durchgesetzt.

Pute: TP7 (Testprodukt 7)
Ein robustes, leicht zu haltendes und ertragreiches Testprodukt für den europäischen Markt. Ihre branchenführende Futterverwertungsleistung und ihr effizienter Brustfleischertrag machen diese Zuchtlinie zur optimalen Basis für die Weiterarbeitung und für Produkte mit höherer Wertschöpfung.

B.U.T. Premium
B.U.T. Premium ist das Produkt der Wahl für Betriebe, die eine leicht zu handhabende mittelschwere Linie benötigen, die höchste kommerzielle Leistung und niedrigste Produktionskosten vereint. Durch den Einsatz marktführender Lebendgewichte, einfaches Management, die beste Futterverwertungs-rate, hohen Fleischertrag und hervorragende Vitalität und Robustheit liefert dieses Produkt insgesamt die besten wirtschaftlichen Erträge.

 http://www.aviagenturkeys.com/de-de/distributors
Vermehrungsbetriebe

Das Vermehrungs-Netzwerk von Aviagen Turkeys besteht aus höchst angesehenen und fortschrittlichen Unternehmen der Geflügelwirtschaft und erstreckt sich über die ganze Welt. Nicholas oder B.U.T. Produkte können direkt von einer Aviagen Turkeys Niederlassung oder einem offiziellen Vertriebspartner bezogen werden. Beide Bezugswege garantieren Tiere der besten Qualität.

Finnland – 1 Betrieb, , Frankreich – 3 Betriebe, Deutschland – 4 Betriebe, davon einer in Baden-Württemberg, Ungarn nicht aufgeführt, Island – 1 Betrieb, Iran – 3 Betriebe, Israel – 1 Betrieb, Italien – 2 Betriebe, Norwegen – 2 Betriebe, Polen – 2 Betriebe, Irland – 1 Betrieb, Russland – 1 Betrieb, Serbien – 1 Betrieb, Slowakei – 1 Betrieb , Spanien – 3 Betriebe, Schweden – 1 Betrieb, Türkei – 1 Betrieb, Vereinigtes Königreich -3 Betriebe, und Andere.

Und in welchen Ländern ist die Vogelgrippe?  Meines Wissens ist  in allen unterstrichenen Ländern die Vogelgrippe und hier sind es eindeutig die Menschen/Transporte und keine Zug- oder Wildvögel!

Zu Baden-Württemberg
Dazu auf der Seite http://www.putenbrueterei-boecker.de/produkte.html
Die Putenküken der schweren Rassen stammen aus deutscher Elterntierhaltung. Wir brüten Putenküken der Zuchtunternehmen Aviagen und Hybrid. (Haben die gar das „Testprodukt im Brüter“)

Soll deshalb die Verlängerung der Stallpflicht in Baden-Württemberg verlängert werden, obwohl schon wochenlang nicht mal ein Wildvögel gefunden wurde?

Das Testprodukt TP7 gibt es hier auch http://www.aviagenturkeys.com/de-de/products/tp7-test-product

Ach ne  http://www.dgs-magazin.de/Gute-Fitness-und-Robustheit-im-Trend,QUlEPTQ4MjgxMDImTUlEPTQ3Mg.html

Die Zuchtunternehmen investieren viel Know-how und Geld darin, die Geschwister der Zuchtkandidaten nicht nur unter optimalen Zuchtstallbedingungen zu testen, sondern direkt in Farmen. So wird geprüft, wie robust und fit die Familien unter Maststallbedingungen sind und ob sie das an Robustheit und Leistungen zeigen oder eben nicht….

http://nutztierpraxis.com/files/nutztierpraxis_template/doc/Die_Putenhaltung_im_Spannungsfeld_2014.pdf
Unter Besatzdichte:    Veterinäramt kann Reduzierung der Besatzdichte anordnen!

Das heißt im Klartext: Sie können ihre Veterinärämter anweisen, die Besatzdichte herunterzufahren bei Neueinstallung.
Ach dabei stellt sich mir die Frage: Warum können gekeulte Betriebe wieder einstallen obwohl wir noch Vogelgrippealarm in fast ganz Deutschland/ja gar Europa haben? Die können munter rein und raus, nach Belieben und bei uns Kleinhaltern wird so ein Theater gemacht!

www.ml.niedersachsen.de/download/95254/Abschlussbericht_Puten-Controlling_.pdf

Seite 42
Die Ergebnisse der Mortalität zeigen eine grundsätzlich höhere Gesamtmortalität in der Hahnenmast durch die verlängerte Mastdauer gegenüber den Hennen. Sowohl im Winter- als auch im Sommerdurchgang liegt diese im Durchschnitt bei 7,3 bzw. 7,6%. Die Hennen hingegen zeigen im Winter eine um 0,2% höhere Durchschnittsmortalität gegenüber dem Sommerdurchgang (1,7%). Es zeigt sich, dass der Anstieg der Kükenverluste im Zeitraum der ersten 10 Lebenstage zwischen Durchgang 1 und Durchgang 2 bei beiden Geschlechtern ähnlich hoch ist (ca 0,5% bei den Hennen bzw. 0,6% bei den Hähnen). Damme (2014) gibt als durchschnittliche Gesamtverlustrate für Putenhennen 3,92% an, für Hähne 10,33% (DAMME 2014).

Das heißt ja wohl, 10 % Todesfälle sind normal, aber wenn ein par Tiere umfallen wird getestet, gekeult und dann festgestellt, sorry….

Da schauen wir doch mal nach Österreich:
http://miko.at/images/stories/fachbibliothek/aufzucht_mast/aufzuchtanleitung.pdf

BESONDERS WICHTIG
Die Lüftung und die Einstreu sind der Schlüssel zu guten Mastleistungen. Viele Probleme werden durch unzureichende Belüftung verursacht, Krankheiten brechen aus oder werden verstärkt.
hier unter Absatz 2.2. „Lüftung in der Mast bei kaltem Wetter“

So wie bei der Aufzucht ist in der Mast in der kälteren Jahreszeit für die Aufwärmung der Luft zu sorgen. Keinesfalls darf kalte Luft seitlich auf den Boden fallen, dies verursacht nasse Einstreu und führt rasch zu Gelenksentzündungen und Verkühlung der Tiere
Absatz 5 Besatzdichte
:  Deutschland und Österreich nicht gleich – aber beide in der EU!!!!

vorausgesetzt die entscheidenden Umweltfaktoren sind bestmöglich auf die Ansprüche der Tiere abgestimmt, können aus fachlicher Sicht Putenhennen mit maximal 55 kg und Putenhähne mit bis zu 60 kg Lebendgewicht pro m² nutzbarer Stallgrundfläche gehalten werden. In Österreich ist die Besatzdichte gesetzlich geregelt. Zu keinem Zeitpunkt dürfen 40 kg/m² überschritten werden

Ab Seite 25! Schadnager, Getreideschimmelkäfer, Wildvögel, andere Tiere
Ratten und Mäuse können sowohl Salmonellen, als auch für Puten gefährliche Krankheiten übertragen
Rund um den Stall (mind. 15 m) sollte das Gras immer kurz geschnitten sein und keine Geräte oder Unrat herumstehen.
Der Getreideschimmelkäfer (schwarz, ca. 5 mm groß) ist ein weit verbreiteter Schädling in der Putenmast, der unbedingt bekämpft werden muss! Die größte Gefahr ist die Übertragung von Krankheiten von einer Herde zur anderen. Die beste Desinfektion ist sinnlos, wenn einzelne Käfer oder Larven überleben – die Keime des Vordurchganges werden durch den Käfer in die neue Herde verbracht. Neben der Krankheitsübertragung frisst der Getreideschimmelkäfer aber auch die Isolierung des Stalles auf. Die Bekämpfung fußt auf zwei Säulen:
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Der Käfer „wohnt“ während der Mast vorwiegend in der Einstreu, dort ist es warm und daher angenehm für ihn, zudem hat er genügend organisches Material als Nahrung. Sobald die Einstreu auskühlt zieht sich der Käfer seitlich durch kleine Ritzen in die Außenwände zurück und kommt erst bei der nächsten Einstallung zurück. Eine Bekämpfung ist zu diesem Zeitpunkt praktisch nicht mehr möglich.
Fliegen lassen sich nicht zu 100 % aus einem Stall verbannen
Wildvögel aller Art (sowohl Zugvögel, als auch heimische Vögel und Wassergeflügel) haben im Stall nichts verloren
Hunde und Katzen sollten auf keinen Fall Zugang zu den Eingangsbereichen, Ställen und zum Einstreulager haben.
Schweine, Rinder und andere Nutztiere am gleichen Hof erhöhen die allgemeine Keimbelastung.
Von der Haltung von anderem Geflügel am gleichen Hof (Hühner, Wassergeflügel, etc.) oder von Ziergeflügel im Haushalt ist dringend
abzuraten.
Wildtiere und Aasfresser müssen von den Gebäuden ferngehalten werden.
Sollte die Einstreu nicht sofort ausgebracht werden können, muss die Lagerung mindestens 200 m vom Putenstall entfernt erfolgen.
Seite 35 „Schmutz kann nicht desinfiziert werden“  Merkwürdig, in Deutschland sogar Mist!

BESONDERS WICHTIG

Schmutz kann nicht desinfiziert werden!
Die Reinigung vor der Desinfektion ist daher unbedingt notwendig und sehr gründlich zu machen, da es keinen Sinn hat, einen schmutzigen Stall oder schmutzige Einrichtungsgegenstände zu desinfizieren. Der Schmutz deckt die Keime ab und schützt diese vor der vollen Konzentration des Desinfektionsmittels. Die Keime bekommen nur eine geringe Dosis ab und lernen damit umzugehen. Die nächsten Generationen können resistent gegen dieses Desinfektionsmittel aufweisen.
Das Lager für Einstreu und Stroh muss für Nager und Vögel unerreichbar sein.

Seite 61 Der Wasserverbrauch von Puten liegt am Anfang der Mastperiode ca. 2,5 mal so hoch wie der Futterverbrauch, in der mittleren Mastphase ca. doppelt so hoch, zum Mastende mit abnehmender Tendenz.

Hier Futterverbrauch von BUT 6 Puten
Mit 10 Wochen/70 Tage
Hähne Lebendgewicht 7,57 kg, Futter 399 g, Wasserverbrauch 800 ml – 1 Liter
Hennen Lebendgewicht 5,68 kg, Futter 312 g, Wasserverbrauch 624 ml -800 ml
Mit 15 Wochen/105 Tage
Hähne Lebendgewicht 14,55 kg, Futter 554 g, Wasserverbrauch 1,1 Liter
Hennen Lebendgewicht 10,32 kg, Futter 425 g, Wasserverbrauch 850 ml
Mit 20 Wochen/140 Tag                                                                                                                                     

Hähne Lebendgewicht 21,33 kg, Futter 665 g, Wasserverbrauch 1,3 Liter
Hennen Lebendgewicht 14 kg, Futter 466 g, Wasserverbrauch 900 ml

Wenn ich mir das so anschaue, brauche ich kein FLI um einen Zusammenhang festzustellen, den diese schon seit 10 Jahren mit viel Zuschuß erfolglos suchen.
Wäre schön, wenn Sie sich mal diese Zusammenhänge anschauen, dabei habe ich noch nicht mal Moorgut Kartzfehn erwähnt, wenn Sie da erst mal suchen würden….Ihnen würden die Haare zu Berge stehen, wetten?

Mit freundlichem Gruß
XXXXXX

Direkte Fragen an frau Doktor

Sehr geehrte Frau Dr. L,

Ich halte eine Gruppe von 14 Hühnern, die im Allgemeinen viel Freifläche haben damit sie ihren Bedürfnissen nachkommen können. Seit Verhängung der Stallpflicht sind meine Hühner nun eingesperrt. Das Ordnungsamt hat sich davon überzeugt, dass die die Tiere ordnungsgemäß aufgestallt sind.

Es gibt schon sehr lange Viren auf der Welt und es wird sie wohl auch immer geben. Auch Grippevieren, an der sehr viele Spezies erkranken und auch sterben. In Deutschland fallen jährlich etwa 20.000 Menschen der Grippe zum Opfer. Was sind dagegen denn 600 tote Wildvögel?

Anstecken kann sich ein Lebewesen insbesondere, wenn das Immunsystem geschwächt ist und wenn es dem Kontakt einer Kontaminationsquelle ausgesetzt ist. Größere Ansammlungen auf engem Raum begünstigen die Ansteckung. Tieren in einer Massentierhaltung ist leider beides gegeben, schwaches Immunsystem und große Bestandsdichte. Geschwächte Menschen und Tiere sind dabei gefährdeter, als gesunde, kräftige, mit einer guten Immunabwehr. In der Wildvogelpopulation hält sich ein Grippevirus nicht lange. Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, ist bei Menschen in einem überfüllten Bus ja auch höher, als bei einem Waldspaziergang.

Viele tausend Hobbyhalter halten robustes, gesundes Geflügel im Freiland. Dass diese sich durch Wildvögel infizieren, krank werden und daran sterben, ist wohl möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Wirklich gefährdet sind die Tiere in der Massentierhaltung und die sollen wir alle schützen.

Hobbyhalter halten Freilandgeflügel in erster Linie aus dem Grund, weil sie die Haltungsbedingungen der kommerziellen Geflügelindustrie ablehnen. Ihnen ist das Wohl der Ihrer Tiere wichtig.

Von diesen privaten Geflügelhaltern wird nun verlangt, dass sie ihre Tiere einsperren und eine möglichst sterile Umgebung schaffen, damit ein Eintrag eines Grippevirus in einen Geflügel-Massenbetrieb auf ein machbares Minimum reduziert wird. Die Folge ist, dass dieses gesunde, robuste Freilandgeflügel in den engen Ställen krankmachenden Bedingungen ausgesetzt sind. Das Infektionsrisiko steigt nicht nur durch die dichte Haltung, zudem wird auch das Immunsystem geschwächt, weil die Tiere Stress ausgesetzt sind. Man stelle sich eine Schulklasse vor, die über Wochen oder Monate in einen Klassenraum gesperrt wird oder eine Firma in der 20 Kollegen so lange in einem Büroraum ausharren müssen.

Diese Art der Solidarität zu erwarten und zu fordern ist perfide. Genauso könnte man von einem Hobbygärtner verlangen, sein gezogenes Gemüse mit Pestiziden zu behandeln, damit keine Raupen in die Gewächshäuser der Gemüseindustrie gelangen können.

Viele Hobbyhalter haben keineswegs Angst davor, dass ihre Vögel von dem Virus infiziert werden. Dies ist sehr unwahrscheinlich, wie es Versuche gezeigt haben (Forschungsprojekt „Constanze“ am Bodensee 2006). Auch würden Sie dieses Risiko in Kauf nehmen, damit ihre Tiere frei laufen dürfen. Angst haben müssen sie vor den Maßnahmen der Behörden, denn wie Herr Mettenleiter behauptet, seien Grippeviren in nahezu jedem Gänsebestand nachweisbar, ohne dass es zu Krankheitsfällen komme. NUR: Wenn ein Bestand beprobt wird und sogar eine nur niedrigpathogene Variante des Vogelgrippevirus nachweisbar ist, wird der gesamte Bestand gekeult.

Frau Dr. L., ich frage Sie: 

Welchen Nutzen sehen Sie in der Stallpflicht?

Glauben Sie, dass die Stallpflicht eine wirksame Maßnahme ist, damit sich die Vögel der Geflügelindustrie nicht anstecken?

Glauben Sie, dass durch Freilandgeflügel, das sich eher an einem lokalen Ort befindet, die Virusausbreitung wesentlich begünstigt wird? Das Virus ist auf unerklärliche Weise in bereits diverse Ställe gelangt, obwohl dort strenge Biosicherheitsmaßnahmen Anwendung finden und obwohl seit Wochen kein Geflügel mehr draußen herumläuft (und obwohl der Vogelzug vorbei ist).

Ist es nicht möglich, es den Geflügelhaltern selbst zu überlassen, ob sie ihre Tiere einsperren wollen, oder nicht? Wer Angst vor einer Infektion hat, soll das tun. Und wer das aus Solidarität gegenüber den gefährdeten Großbetrieben tun möchte, auch.

Warum muss nicht jeder Betrieb selbst dafür sorgen, dass sein Bestand nicht erkrankt? Ich bin doch auch nicht verpflichtet, meine Söhne gegen Röteln zu impfen, weil Töchter anderer Leute sich infizieren könnten.

Ist es in Ihrer Macht, diese Stallpflicht zu beenden? Wenn ja, wann werden Sie das tun? Meine Tiere und tausende andere leiden darunter und ich bitte Sie, diese zweifelhafte Maßnahme zu überdenken und die Stallpflicht aufzuheben.

Ihnen ein gesundes und frohes Jahr 2017.

Freundliche Grüße

 

P.S. Sollten Sie nicht der richtige Ansprechpartner in dieser Sache sein, bitte ich Sie, diese Mail an die entsprechende Stelle weiterzuleiten.

Retoure an den Amtsveterinär

Sehr geehrter Herr Dr. xxxx,

zunächst vielen Dank für Ihre freundliche rasche Antwort auf mein vorheriges Schreiben.

Nun ist es so, dass ich Ihre persönliche Meinung zum Vogelgrippegeschehen natürlich nicht kenne, allerdings sehe ich ein, dass Sie sich mit Ihrer Meinungsäusserung und erst recht mit Ihren Empfehlungen an gewisse Vorgaben aus den Ministerien halten müssen und Ihr eigener Ermessensspielraum wahrscheinlich begrenzt ist.

Ganz unkommentiert kann ich Ihr Schreiben jedoch nicht lassen, denn Sie stützen sich auf Gesetzesvorgaben und Empfehlungen, die zwar aktuell nun einmal stehen, allerdings viele Zweifel und Fragen aufwerfen.

Das Friedrich -Löffler-Institut steht nicht nur bei den Gegnern der Stallpflicht, sondern auch bei vielen anderen Wissenschaftlern, Ornitologen und sogar ausländischen Instituten, die sich mit Tierseuchen beschäftigen, mit seiner Meinung, dass Wildvögel für Einschleppung und Übertragung der Vogelgrippe verantwortlich sind inzwischen schon fast isoliert da.

Nach den neusten Fällen in Oldenburg und Cloppenburg versucht man diese Behauptungen inzwischen sogar in Politik und Wirtschaft zu verwässern, in dem man sagt, dass man einfach nicht genau weis wie das Virus in die eigendlich hermetisch abgeschlossenen Ställe kommt. Gerade heute lese ich das Statement auch von unserem LW Minister Meyer. Und das nach 10 Jahren "intensiver" Forschungsarbeit und Millionen von verbratenen Forschungsgeldern seitens des FLI. Die Theorien von Wind, Nagern, Hunden und Katzen sowie verunreinigten Luderplätzen werden bemüht. Gleichzeitig sieht man Bilder wie gekeulte Puten in offenen Baggerschaufeln frei in Container gekippt werden........welch eine Farce.

http://www.ndr.de/nachrichten/nieder...elpest524.html

Auch sah man sich in all den Jahren nicht in der Lage, die Handelswege als mögliche Übertragungswege zu untersuchen? Ich behaupte einfach mal, dass man dazu nicht Willens war. Die Stallpflicht betrifft als Maßnahme nur Klein - Hobby - und Freilandhalter, die Biozidsicherheitsmaßnahmen werden bei den grossen Massentierhaltern sowieso immer durchgeführt. Was denen bleibt ist der Vorteil während einer Geflügelgrippe"epedemie" von der Tierseuchenkasse und dem Steuerzahler Entschädigungen zu bekommen. Ein Schelm wer böses dabei denkt! Ebenso bei der Verquickung des FLI und dessen Vorsitzenden mit Politik und Wirtschaft! Ein unabhängiges Institut wäre zumindest für die Risikobewertung wünschenswert, das FLI sollte sich auf die Diagnostik beschränken müssen!

Wo ist denn nun der Zusammenhang zwischen Wildvögeln und dem Ausbruch in den hermetisch abgeriegelten Ställen? Selbst wenn man nun zurück rudert und behauptet, dass die Ställe ja nun nicht so ganz 100% abgeriegelt werden können, was nutzt dann die Aufstallung in Volieren bzw in den viel weniger dichten Ställen der Hobbyhalter?

Wo ist denn die Epedemie unter Wildvögeln, wenn immer nur vereinzelte positive Befunde gemeldet werden, es aber hundert Millionen von Wildvögel auf der Durchreise gibt? Wieso wird eigendlich die Todesursache der positiv getesteten Vögeln gar nicht untersucht, sondern jeder Nachweis bei einem toten Vogel gilt als Vogelgrippeopfer (gerade bei den Raub und Assfressern)? Wieso werden z.B auch bei dem im Zoo positiv getesteten Pelikan oftmals nur negativ getestete Mitbewohner gefunden, wäre das bei unserem Geflügel mit Auslauf nicht ähnlich, dass nur einzelne gesc Tiere wenn überhaupt betroffen wären? Wieso kommt es in den Massentierställen zu epedemieartigen Ausbrüchen, liegt es nicht gerade an den miesen Haltungsbedingungen dort? Wieso sollen wir unser Geflügel einsperren, wenn doch gerade Sonnenlicht (UV) den Erreger am besten abtötet. Ganz zu schweigen von anderen Krankheiten und Immunschwächungen, denen wir unsere Tiere aussetzen sollen?

All diese Fragen und Wiedersprüche werden ihnen wahrscheinlich bekannt sein und ich verstehe auch, dass Sie selbst auch wenn Sie diese ebenso sehen sich trotzdem an die bestehende Gesetzeslage halten müssen ( wie wir Halter ja auch). Der Grund warum ich Ihnen dennoch darüber schreiben MUSS, ist jedoch, dass wir das nicht ohne Wiederspruch hinnehmen dürfen, unsere Zweifel und Proteste müssen kund getan werden. Vielleicht - hoffentlich - (auch wenn Sie das hier nicht sagen dürften) hegen Sie selbst auch Zweifel an den Maßnahmen und Vorgehen, darin möchte ich jeden bestärken.

Ich selbst engagiere mich mit dem "Aktionsbündnis Vogelfrei" für eine andere Sichtweise auf die Vogelgrippe, die endlich einmal andere Theorien verfolgt als die "Wildvogeltheorie" und die zumindest eine vorsorgliche Stallpflicht wie in unserem Kreis ( wir haben keinen einzigen Fall von Vogelgrippe, wir haben auch wenig Risikogebiete) als völlig ungeeignete, vielleicht sogar kontraproduktive Maßnahme ansieht.

https://aktionsbuendnis-vogelfrei.jimdo.com/ hier können Sie Informationen zum Bündnis aber auch viele alternative Hintergrundinformationen zur Geflügelgrippe jenseits der derzeitig meist einseitig veröffentlichten erhalten.

Sie selber deuten in Ihrem vorangegangenen Schreiben an mich ja an, dass es für einen Geflügelhalter zur Pflicht geworden sein soll, dass er sein Geflügel zumindest zeitweise auch in Ställen bzw Volieren halten können muss. Ich habe mich mit dieser Aussage geistig nun länger auseinander gesetzt. Ich sehe diese Aussage für mich mit meinen Vorstellungen von artgerechter Geflügelhaltung als nicht richtig an. Meine Art der Haltung ist eine Freilandhaltung in Verbindung nur mit einem Schlafstall, der Schutz vor den Gefahren der Nacht und kurzfristig vor der Witterung bietet. Für einige der bei mir gehaltenen Tiere ( z.B den Cröllwitzer Puten) wüsste ich nicht, was für eine riesige Voliere ich bauen müsste um diese nach meinen Ansprüche "artgerecht" längerfristig darinzu halten. ( Damit meine ich immer länger als die drei Wochen, die ein Beobachtungs- oder Sperrbezirk eingerichtet wird). Stellen Sie sich vor, die Puten leben bei einigen Zuchtfreunden völlig frei auf dem elektrisch eingezäunten Grundstücken, schalfen gar nachts nur in Bäumen. Da sie bei mir im Stall schlafen sollten, habe ich alleine dafür 6 Wochen gebraucht um sie daran zu gewöhnen! ( jeden abend von den Bäumen pflücken und in den Stall tragen). Bei meinen Hühnern mit Totlegerblut sieht es ähnlich aus.

Da mich Ihr Satz vermuten lassen kann, dass ich eventuell beim nächsten Mal keine Ausnahmegenehmigung bekommen könnte, wird meine persönliche Konsequenz wohl sein müssen, meine Tiere zu reduzieren und zumindest die seltenen Puten und Hühnerrassen gänzlich abzuschaffen. Unser Aktionsbündnis vermutet zwar , dass genau das, zumindest inoffiziell, von der Geflügelindustrie mit der Stallpflicht auch erreicht werden soll, allerdings sehe ich persönlich auch, dass man genau dahin getrieben wird. "Artgerechte Haltung" ist ja auch ein dehnbarer Begriff, den ich mir aber nicht von einer Industie und Gesetzgebung vorgeben lasse, die eine Haltung von 1 1/4el Schwein oder 35 kg Lebendgewicht bei Puten.auf 1m² als "art- oder tierschutzgerecht" ausgelobt hat!

Nun würden Sie an diesem Punkt sicher wieder auf den Seuchenschutz, der ja auch Tierschutz ist, hinweisen, auf das "Solidaritätsprinzip" aller Geflügelhalter usw.. Allerdings verweise ich dann hier noch einmal an den Anfang dieser e-Mail, dass sich die Stallpflicht doch als ein völlig ungeeignetes Instrument darstellt und die wahren Ursachen der Verbreitung gar nicht sicher sind oder vielleicht auch nicht erkannt werden sollen!

Für mich gibt es im Moment nur eine wirklich sinnvolle Maßnahme, die ich neben den angeordneten praktiziere. Ich vermeide jeglichen Kontakt zu fremden Geflügelhaltungen. Besuch, Kauf von Tieren oder sonstiger Austausch und Handel oder was auch immer unterbleibt. Ich wette diese Maßnahme würde die Geflügelgrippe in Deutschland schnell eindämmen aber das ist natürlich undenkbar für die Industrie ;-).

Es würde mich sehr freuen, wenn ich Sie zumindest zum Teil mit meinen Worten erreichen konnte.

Mit freundlichen Grüssen

XYZ